„Waldgeflüster im Interview“

Bandphoto | Quelle: Sure Shot Worx

Auf die Band „Waldgeflüster“ kam ich durch meine Artikel für Funeral Pile. Letztere machten auf ihrer Facebookseite auf die neue Scheibe „Dahoam“ von Waldgeflüster aufmerksam und Tage später durfte ich das „Mundart“ Album unter die Lupe nehmen. Doch bevor ich zum neuen Langspieler der „Nature – Bound“ Band komme, möchte ich zusammen mit euch mehr über die Black Metaller erfahren.

Waldgeflüster spielen einen Mix aus melancholisch – emotionalen und naturverbundenen Liedern. Auch Sagen und Mythen sind ihre Themengebiete. Im Herbst 2005 gegründet, verehren sie in jedem Wort der lyrischen Songs dem Black Metal und seiner Vielschichtigkeit. Ihre erste Demo „Stimmen im Wind“ veröffentlichten sie 2006. Über das Label Black Blood Records wurde im Februar 2009 das Albumdebüt „Herbstklagen“ veröffentlicht. Ihre bisher letzte Veröffentlichung war eine rerecorded Version eben jener aus 2006. und das letzte Studioalbum war „Mondscheinsonaten“ ist aus 2019. 2021 zeichneten Waldgeflüster bei AOP Records wo sie ihr sechstes Full-Length-Album namens „Dahoam“ veröffentlichen.

Albumcover

TobiWinterherz

Hallo an „Winterherz“ von „Waldgeflüster“. Mein Name ist Tobi. Danke, dass du dir die Zeit für ein paar Fragen von mir nimmst. Ich betreibe eine Facebookseite und einen Webblog. Auf diesen Seiten poste ich Reviews aktueller Alben, Interviews, Bandvorstellungen und Berichte über Konzerte, welche ich mit dem Rollstuhl besuche. Zum einen um anderen Rollifahrern zu berichten wie der Veranstaltungsort in puncto Barrierefreiheit ausgestattet sind und zum anderen wie man am besten vorgeht, um Tickets zu bekommen, denn meist geht das bei herkömmlichen Ticketportalen nicht.

In Zukunft werden wohl auch die Hygienemaßnahmen vor Ort dazukommen, da ich als Hochrisikopatient auch sehr darauf achten muss. Natürlich berichte ich auch über den Auftritt der Bands. Heute habe ich ein paar Fragen an dich u. a. zu eurem Album „Dahoam“.


Wie geht’s dir und deinen Bandkollegen denn, im Herbst 2021?

Grüß dich, uns geht es soweit ganz gut. Viel zu tun gehabt mit dem Release und allem. Aber wir können uns nicht beschweren. 

Ich habe von euch zum ersten Mal gelesen, als ich meine Review für Funeral Pile geschrieben und auf deren Facebookseite recherchiert habe. Natürlich habe ich eure Single „Im Ebersberger Forst“ gehört und wollte mehr wissen, wie meine Follower bestimmt auch. Magst du dich und „Waldgeflüster“ kurz meinen Lesern vorstellen?

Ich habe Waldgeflüster 2006 als Soloprojekt gegründet. Nach einer Demo und 3 Alben hab ich die Livemember gefragt ob sie nicht Teil der Band sein wollen. Jetzt bringen wir unser 3tes Alben gemeinsam raus. Die Musik ist zu schwer zu beschreiben für mich, am sinnvollsten ist es wohl wenn sich jeder selbst ein Bild darüber macht. 

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Waldgeflüster – Im Ebersberger Forst (Official Lyric Video)

Wie kam euer Bandname „Waldgeflüster“ zustande?

Ich habe lange überlegt was ich mit der Band ausdrücken wollte, und es kamen 3 Themenschwerpunkt: Natur, meine inneren Dämonen und zum damaligen Zeitpunkt noch Paganismus. Der letzte Teil wurde schnell gestrichen, aber trotzdem war das Flüstern des Waldes für mich ein passendes Bild für diese Thematiken. 

Wie würdest du eure Musik und das, wofür sie steht, bzw. worauf sie sich bezieht, beschreiben? Besonders im Hinblick auf das kommende Album „Dahoam“.

In Waldgeflüster verarbeite ich was mich beschäftigt – eingebettet in Naturmetaphern. Auf Dahoam machen wir uns Gedanken über den Begriff Heimat, seine guten wie schlechten Seiten. Es ist gleichzeitig der Versuch den Heimatbegriff neu zu besetzen, mit unseren eigenen Ansichten. Dahoam ist seit langem auch wieder ein Konzeptalbum, welches sich nur mit diesem Thema beschäftigt. 

Wie war die Arbeit am Album im Angesicht von Corona und der harten Regeln in Bayern?

Die Arbeiten am Album hat Corona nicht beeinträchtigt. Wir schreiben eh in meinem Homesrecordingstudio oder schicken uns Files hin und her. Somit mussten wir nicht in den Proberaum und uns zu Fünft treffen. Und dann ist es nun mal auch so dass wir ja auch offiziell eine Firma sind, und somit die Studioaufnahmen zu den Zeitpunkten damals aus meiner Sicht erlaubt waren, es war ja Arbeit. Insofern hatten wir eigentlich keine großartigen Probleme. 

Was dürfen eure Fans vom kommenden Album „Dahoam“ erwarten? 

Dahoam ist der indirekte Nachfolger zu unserem anderen Konzeptalbum „Femundsmarka“. Der Aufbau der beiden Alben ist ähnlich. Musikalisch bewegen wir uns im melodischen Black Metal, klar mit einem deutschen Einschlag. Immer wieder unterbrochen durch akustische Elemente, sowie Ambient. 

Nun bin ich im Bereich des Black Metal ein absolutes Greenhorn. Warum könnte „Dahoam“ trotzdem reizvoll für mich sein?

Vermutlich weil wir eine sehr abwechslungsreiche Form des Black Metal machen. Raserei trifft sanfte akustische Parts, Screams auf Klargesang. Mein Ziel ist es einen Song immer spannend zu halten und immer wieder kleine Highlights zu schaffen die die Aufmerksamkeit des Hörers wieder fokussieren. 

Die Vocals sind komplett „boarisch“ (sagt man das so?). Ich konnte den Klargesang super verstehen, nur die schrillen Vocals gingen fast garnicht ins Ohr. Habt ihr da Tipps? Ich mag den Dialekt ziemlich gern, wie so vieles an Bayern, was nicht den Fußball betrifft.

Mhm, ich bin mir nicht sicher welche Tipps ich dir hier geben soll? Entweder mag man es oder halt nicht. Wenn es dir um das Verstehen des Dialekts geht: Am besten die Lyrics aus dem Booklet zur Hand nehmen und durchlesen. Auf unsere Homepage habe ich außerdem versucht die Texte ins Englische zu übersetzen um auch Menschen aus anderen Ländern die Chance zu geben Einblick in unsere Gedanken zu geben. 

Nochmal auf Funeral Pile zurück – kennt ihr euch?

Klar. Martin hat ein Jahr lang Aushilfsbasser bei uns gemacht während Arvagr sich Kanada mal genauer angesehen hat. Außerdem spielt unser Gitarrist Domi mit Martin auch noch in einer anderen Band. Wir sind also Freundschaftlich verbunden. 

Ich habe natürlich ein bisschen recherchiert zu den Songs, die einen regionalen Bezug haben. Der „Tatzlwurm“ zum Beispiel ist ein Wasserfall. Beim Forst ist es klar und zum Opener bekam ich ein Restaurant angezeigt. Könnt ihr Licht ins Dunkel bringen bei den Songs?

A Taglachinger Morgen 

Taglaching ist das kleine Dorf in dem ich lebe. Wenn die Sonne Morgens über den Feldern und Wäldern aufgeht ist es einfach wunderschön. 

Im Ebersberger Forst 

Bandphoto | Quelle: Sure Shot Worx

Der Ebersberger Forst ist einer der größten zusammenhängenden Forstgebiete in Deutschland. Gleich bei mir um die Ecke.

Am Stoa 

Der Stoa ist ein Findling der in der letzten Eiszeit irgendwann von Südtirol nach Oberbayern gewandert ist. Heute ist er Schauplatz eines Freilichttheaters.

Am Tatzlwurm 

Der Tatzlwurm ist ein bekannter Wasserfall über Brannenburg, und Heimstelle eines Lindwurms. 

In da Fuizn 

Die Fuizn bezeichnet ein Moorgebiet nahe Rosenheim wo ich aufgewachsen bin. 

Mim Blick aufn Kaiser 

Der Kaiser ist eine beeindruckende und felsige Bergkette in Oberbayern und Österreich

Am Wendelstoa

Der Wendelstein ist der höchste und ein sehr markanter Berg bei uns in der Gegend. Für mich persönlich der visuelle Inbegriff von Heimat  

Ihr seid sehr naturverbunden, wie man auch auf der Homepage nachlesen kann und nicht zuletzt die Songtitel, die eine eindeutige Sprache sprechen. Wart ihr von Anfang an alle dafür, dieses Themengebiet in den Liedern zu wählen, oder hatten auch welche Lust über z.B. die Nibelungen-Saga zu singen.

Da ich Waldgeflüster als Soloprojekt gegründet habe, gab es nie Diskussionen bzgl. Der Songtexte. Die sind auch immer noch allein mein Metier. Das war immer so die Absprache und funktioniert glaub ich auch gut. 

Wie kamst du zur Heavy Metal Musik?

Ich schätze wie jeder: Irgendwann mal auf härtere Musik wie Metallica/Iron Maiden gestoßen, und von da an halt immer langsam aber stetig tiefer in die Untergründe des Metals. Meist in dem ein Bekannter einem eine neue Band gezeigt hat. Als ich die Colony von In Flames zum ersten mal gehört habe, ich glaube das war so der Tage an dem ich wirklich im Metal angekommen bin. Bei mir war das allerdings relativ spät. Mit 15 oder so. Aber ein oder zwei Jahre später liefen dann erstmals Cradle of Filth und Dimmu Borgir im CD Player. Kurz darauf dann auch aber auch der ursprüngliche BM.

Welche Formate werdet ihr mit „Dahoam“ bedienen? 

Es wird ein Digipak geben, eine Special Edition in einer Holzbox, LP und eine Milchig-Blaue Splatter LP.

Wann können wir mit der nächsten Singleauskopplung rechnen?

Während ich das Interview schreibe wurde „Am Tatzlwurm schon veröffentlicht.

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Waldgeflüster – Am Tatzlwurm feat. J.J. // Harakiri for the sky & Karg

Wenn ihr über Livemusik nachdenkt, wann und wie sie wieder stattfinden kann, macht man sich auch Gedanken darüber, wie das mit der Hygiene und der eigenen Sicherheit bestellt ist?

Um ehrlich zu sein: Nein. Wir sind alle geimpft und keine Risikopatienten. Um uns machen wir uns also wenig sorgen. Für den Gitarristen und mich ist es wohl eher kritisch dass wir unabsichtlich unsere noch ungeimpften Kleinkinder anstecken könnten. Ich hoffe dass das auch bald Geschichte sein wird.

Welches Album hat dich am Anfang deiner Karriere am meisten beeinflusst?

Für mich gibt es 3 Alben die einfach unheimlich prägend für mein Verständnis von Musik und Melodien sind. Ich vermute das man das auch immer noch hören kann. Sie waren alle ein Schritt hin zu dem der ich heute bin und zwar genau in dieser Reihenfolge:
Matchbox 20 – Yourself or Someone like you. Creed –My own Prison. Tool – AEnima

Hörst du auch andere Genres oder beschränkst du dich nur auf Black Metal? 

Ich denke das diese Antwort normalerweise nur von Leuten die keine Ahnung von Musik haben kommt, aber ich höre tatsächlich /fast) alle Genres. Ich suche mir aus den verschiedensten Genres immer wieder Alben heraus die mir sehr gut gefallen und die ich intensiv höre. Zum Beispiel Folk, Deutsch Pop, Country, Elektro, HipHop. Eine der Genres wo ich noch nie was für mich gefunden habe ist Reggae. Damit komm ich nicht klar. Aber ansonsten kann ich in jedem Genre irgendetwas finden das mich berührt. 

Mal ein wenig weg von der Musik. Wie schaut’s aus mit Hobbys?

Ach du, mit Kids bleibt da nicht mehr wirklich viel Zeit für. Sport mach ich ganz gerne, Lesen, mit guter Gesellschaft Bier trinken. Mein Hauptthema ist und bleibt aber einfach die Musik.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich…

Nichts im Persönlichen, zu viel für die Allgemeinheit um etwas zu nennen.

Zum Schluss ein paar Sätze von dir an die Hörerschaft da draußen!

Danke für den Support über all die Jahre. Wir sehen uns bald wieder live.

Danke dir für das Interview bzw. die Beantwortung meiner Fragen. Ich wünsche dir vor allem, dass ihr und eure Lieben gesund bleibt und fetten Erfolg für euer Album „Dahoam“!

Danke dir, ebenso!


Tracks „Dahoam“:

01. „A Taglachinger Morgen“ || 2:42 Minuten
02. „Im Ebersberger Forst“ || 10:14 Minuten
03. „Am Stoa“ || 4:09 Minuten
04. „Am Tatzlwurm“ || 10:47 Minuten
05. „In da Fuizn“ || 4:41 Minuten
06. „Mim Blick aufn Kaiser“ || 11:10 Minuten
07. „Am Wendelstoa“ || 5:37 Minuten

Guests:
Benjamin König: Additional keys in „Im Ebersberger Forst“
J.J.: Additional vocals in „Am Tatzelwurm“
Nostarion: Cello in „In da Fuizn“
Austin Lunn: Additional vocals in „Mim Blick aufn Kaiser“

Albumcover

Bandphoto | Quelle: Sure Shot Worx

Line-Up

Winterherz | Vocals
Thomas Birkmaier | Drums
Dominik Frank | Guitars
Markus Frey | Guitars
Avagr | Bass


Das war mein Interview mit Jan „Winterherz“ van Berlekom, dem Gründer von „Waldgeflüster“. Die Band veröffentlicht am 24.09.2021 ihr Album „Dahoam”. Dankeschön, dass ihr das Interview mit dem symphatischen Bandgründer gelesen habt. Supportet die Jungs und hört in die bisher veröffentlichten Songs und in das neue Album rein.

Danke an dieser Stelle nochmal an „Winterherz“, für seine ausführlichen Antworten! Ich hoffe euch bald im live erleben zu dürfen. Grüße an alle Bandmember! Bleibt alle gesund und munter, euer Tobi!

Heavy Metal never dies!

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