„Rebellion im Interview“

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Das kommende Rebellion Album „We Are The People“ hat ein klares, politisches Statement, was es zu einem für die Band
ungewöhnlichen Release macht. Es handelt sich erneut um ein Konzeptalbum, welches dieses Mal die Zeit von der Französischen Revolution bis nach dem 2. Weltkrieg abdeckt. Die Kernaussage des Albums ist, dass Rassismus und Nationalismus Schuld an den Kriegen und der damit verbundenen Zerstörung und Vernichtung tragen. Für „We Are The People“ wurde jedoch Uwe Lulis – seines Zeichens Gründungsmitglied von Rebellion und mittlerweile Gitarrist bei Accept – rekrutiert.

Ein paar Fakten zum Album:
– Das 9. Album wird erhältlich sein als CD Digipak, limitierte Vinyl LP sowie als Download & Stream.
– Produziert, gemischt und gemastert von Uwe Lulis in den Black Solaris Studios.
– Coverartwork gestaltet von Björn Gooßes / Killustrations

Tobi – Metal and Me

Fabrizio – Rebellion

Ich durfte mit Fabrizio Costantino ein Interview zum und über das Album „We Are The People“ über das ich mich persönliche sehr freue! Viel Spaß beim Lesen 🤘


Hallo Fabrizio von Rebellion. Mein Name ist Tobi. Danke, dass du dir die Zeit für ein paar Fragen von mir nimmst. Ich betreibe eine Facebookseite und einen Webblog. Auf diesen Seiten poste ich Reviews aktueller Alben, Interviews, Bandvorstellungen und Berichte über Konzerte, welche ich mit dem Rollstuhl besuche. Zum einen um anderen Rollifahrern zu berichten wie der Veranstaltungsort in puncto Barrierefreiheit ausgestattet sind und zum anderen wie man am besten vorgeht, um Tickets zu bekommen, denn meist geht das bei herkömmlichen Ticketportalen nicht.

In Zukunft werden wohl auch die Hygienemaßnahmen vor Ort dazukommen, da ich als Hochrisikopatient auch sehr darauf achten muss. Natürlich berichte ich auch über den Auftritt der Bands. Heute habe ich ein paar Fragen an dich u. a. zu eurem Album „We Are The People“.

Meine Eröffnungsfrage an jeden Interviewpartner lautet: Wie geht es dir und deinen Bandkollegen momentan?

Hi Tobi! Ich habe langsam ziemlichen Impfneid gegenüber dem Rest der Band, aber sonst gibt’s eigentlich wirklich nur gutes aus dem Hause Rebellion zu erzählen. Wir zimmern zurzeit unser neues Live-Set zusammen und freuen uns schon extrem auf die ersten Gigs. Hoffentlich ab August.

Wie lange dauerte es, bis sich die neue Besetzung eingespielt hatte?

Fabrizio: Das wissen wir ehrlich gesagt noch gar nicht so recht. Corona hat uns ja aller Live-Gigs beraubt und für uns ist Live spielen einfach die Messlatte. Wir sind aber alle immer ziemlich gut vorbereitet bei den Proben (meistens *hust*) und können uns schon sehr an Details wie Micro-timing, etc. aufhalten. Ich denke das ist ein gutes Zeichen dafür, dass wir uns schon ganz gut „eingegrooved“ haben.

Magst du dich und „Rebellion“ kurz meinen Lesern vorstellen?

Ich bin Fabrizio, Gitarrist der Heavy/Power Metal Band Rebellion und unter den Top5 der hübschesten aktiven Bandmitglieder. Die Band hat 20 Jahre Bandgeschichte und ist 2001 als häretische Abspaltung von Grave Digger entstanden. Typisch für Rebellion ist, dass jedes Album eine Art Konzeptalbum ist. Es gibt immer ein übergeordnetes Thema, das fundiert behandelt wird. Ob das nun nordische Mythologie ist oder Shakespeare. Nerds auf der ganzen Welt diskutieren auch gerne mal mit uns über social media. Das freut vor allem Tomi, der als Gründungsmitglied und Historiker die meisten Lyrics schreibt.

Wie würdest du eure Musik und das, wofür sie steht, beschreiben? Besonders im Hinblick auf das erneute Konzeptalbum, dass von vergangenen, rassistisch/nationalistisch motivierten, Kriegen handelt.

Ahhh ich würde da so gerne so viel dazu sagen, aber es ist noch ein bisschen zu früh dafür denke ich. Wir sind extrem gespannt darauf, was die Hörer aus dem machen, was wir ihnen mit „We Are The People“ anbieten. Wir haben uns aber wirklich viele Gedanken zum Verhältnis von Wort und Ton sowie zur Form gemacht. Es ist zum Beispiel kein Zufall, dass der Chorus in „Gods of War“ versucht dich im 6/8-Takt wie ein Wiegenlied einzulullen, nur um dir danach wieder die Kriegstrommeln um die Ohren zu hauen.

Wie kamst du zur Heavy Metal Musik?

Ich war früher Skateboarder und jemand hatte mir eine CD mit so typischem Skater-Punk gebrannt. Als Witz hat er als letzten Song „Grotesque Impalement“ von Dying Fetus auf die Scheibe geschmissen. Ich habe die nächsten Monate im Prinzip nur noch diesen letzten Song gehört, weil mich der Sound so umgehauen hat. Lange Zeit gab’s für mich also nur noch Death Metal. Heavy Metal habe ich dann tatsächlich erst kennengelernt, als ich mal kurz mit dem ganz jungen Jim Müller (heute Kissin‘ Dynamite) in einer Band gespielt hab. Jim hat mir mit so einer Begeisterung ungefähr alle Riffs von Iron Maiden gezeigt – das war irgendwie ansteckend! Grüße an der Stelle!

Wie aufgeregt seid ihr im Hinblick aufs Release von „We Are The People“?

Haha, jetzt wo du fragst … ich hatte mir noch gar keine Gedanken dazu gemacht, aber ich freue mich schon sehr darauf, das Baby auf die Welt loszulassen. Demnächst kommt auch unsere nächste Single-Auskopplung mit Video raus. Da bin ich gerade eher aufgeregt, aufgrund unseres nicht vorhandenen, schauspielerischen Talents. Spaß hat’s aber trotzdem gemacht!

Werdet ihr weitere Alben über Kriegsgeschichte veröffentlichen und was ist eure hauptsächliche Motivation, um über diese Themen zu singen?

Tomi wollte schon längere Zeit ein Album über diesen Abschnitt der Geschichte schreiben. Für ihn ist das ein Thema, mit dem er sich als Historiker auch beruflich stark auseinandersetzt. Das kam uns auch beim Songwriting zu gute. Denn obwohl unser Lead-Gitarrist Martin und ich uns im Musikstudium schon mit dem Thema Nationalismus in Kunst- und Popmusik beschäftigt haben, hatten uns doch immer mal ein paar Mosaiksteine gefehlt um die Songs wirklich abrunden zu können. Der Song zur Shoa war so ein Fall. Tomi hat uns dann einfach eingepackt, ist mit uns nach Buchenwald zur KZ-Gedenkstätte gefahren und hat uns dort eine Privatführung gegeben. Wir haben währenddessen auch immer wieder den ästhetischen Zugang zu so einer heftigen Thematik diskutiert. Die Motivation ist für uns im aktuellen politischen Klima allerdings klar: niemals vergessen, dass unsere friedlichen Zeiten nicht selbstverständlich sind.

Das Album Finale mit dem Song „We Are The People“ finde ich besonders gelungen! Da es Hoffnung gibt und ein Aufruf ist, die Kriegstreiber sinnbildlich brennen zu lassen, hast du einen Favoriten auf dem Album?

Ich glaube, ich habe jede Woche einen anderen Favoriten! Derzeit ist es Gods of War, weil der C-Teil so abartig brettert! Was ich aber feststellen kann: Das Album lässt sich wirklich sehr gut am Stück durchhören. Mehrmals. Im Kontext funktionieren die Songs einfach nochmal besser als nur als Single. Ist ja auch ein Konzeptalbum! Aber schön, dass dir der letzte Song nochmal ein bisschen Schub gibt. Das war uns auch wichtig, dass wir nach dieser aufreibenden Kriegsgeschichte mit einem Lichtblick enden. Ein Lichtblick, den wir heute (noch) als geeintes Europa leben. 

Photocredit: Sarah Löwer
Edit: Björn Gooßes

„WWII“, „Sweet Deams“ und „Vaterland“ wurden bisher als Singleauskopplung veröffentlicht. Warum habt ihr diese 3 Songs gewählt?

WWII wurde ja von Uwe Lulis komponiert und unser Sänger Micha hat dort die Lyrics beigesteuert. Wir hatten Bock, Uwe hatte Bock: da fanden wir es nur fair den Song auch zu veröffentlichen. Der Entscheidungsprozess zu den anderen beiden Songs war so komplex, den kann ich gar nicht mehr nachvollziehen. Wie schon gesagt: Das Album gefällt uns als Gesamtwerk sehr gut, weshalb wir überhaupt nicht sagen konnten, welche Songs jetzt als Single released werden sollen und welche nicht. Wir haben dann ein paar ausgewählte Musikmenschen befragt und das kam dabei heraus. Alles sehr mysteriös ☺

War es für euch eher Vorteil oder Nachteil das Album während der Pandemie fertigzustellen.

Fabrizio: Naja, weder noch. Es war eine gute Option für die Zeit ohne Auftritte. Dass wir die Möglichkeit hatten ins Songwriting auszuweichen, war dann eher ein Glücksfall.

Wie war die Zusammenarbeit mit Uwe Lulis von Accept und Simone Wenzel, die beide in WWII als Gastmusiker dabei sind und wie kam der Kontakt zustande? 

Simone habe ich leider nicht kennengelernt. Während der Pandemie fanden ja viele Treffen und Recording-Sessions gezwungenermaßen im kleinen Kreis statt. Die Logistik war da manchmal wirklich etwas nervig. Aber um zahlreiche Besuche bei Uwe bin ich natürlich nicht herumgekommen. Wir – also die neuen Bandmitglieder – waren erstmal ehrfürchtig. Der große Uwe Lulis guckt uns jetzt auf die Finger! Hat er auch gemacht! Dabei war die Atmosphäre aber immer so produktiv und angenehm – ich würde jederzeit wieder mit ihm Arbeiten. Das war echt eine tolle Erfahrung und wir haben alle noch 1-18 Tipps und Techniken mitgenommen. Als Ex-Mitglied von Rebellion war es für ihn auch irgendwie Ehrensache mit uns geile Songs aufzunehmen. Alles in allem hat es sich sehr familiär angefühlt.

Habt ihr noch weitere Singlereleases in Planung in Bezug aufs Album?

Oh ja, wie gesagt: Wir haben noch ein Video gedreht zu „Liberté“, das wird am 23.06. released werden.  Am 23.07. kommt dann auch schon das Album raus. Yay.

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Neueste Single von Rebellion – Liberté, Égalité, Fraternité

Was hast du gedacht, als du das Cover-Artwork gesehen hast? Das sieht schon sehr geil aus.

Genau das hab ich auch gedacht! 

Albumcover

Hat Björn Gooßes, der für seinen genialen Artworks bekannt ist, freie Hand gehabt, oder habt ihr einen Rahmen vorgegeben?

Wir haben Björn unser Konzept erläutert und ein paar eigene Ideen in den Topf geworfen. Björn hat es dann genau anders gemacht und es ist perfekt! 😊

Habt ihr eine Streaming-Aktion zum Release in Planung? Oder gibt es denn schon Pläne für eine Tour?

Eine Tour ist in bereits in Vorbereitung! Wir wollen am 24.09. in Rodgau starten und planen erst mal 10 Gigs in Deutschland. Berlin, Hamburg, Mannheim usw. Wenn alles gut läuft, sind wir am 6.8. auch schon auf dem Helmfest in Niedersachsen anzutreffen. Wir halten euch über alle unsere Social Media-Kanäle auf jeden Fall immer auf dem Laufenden.

Wenn man als Musiker über Livemusik, wann und wie sie wieder stattfinden kann nachdenkt, macht man sich auch Gedanken darüber, wie das mit der Hygiene und der eigenen Sicherheit bestellt ist?

Ja na klar. Dieses neue Hygienebewusstsein ist schon sehr tief in den Alltag eingesickert. Zumindest bei mir. Ich war da aber auch schon immer anfällig. Egal wo ich hinkomme, ich suche erst mal den Ort zum Händewaschen. Es gibt nichts Schlimmeres als klebrige Hände beim Gitarre spielen. Oh doch: klebrige Augen, wenn einem Bier über den Kopf geschüttet wird… ach ich vermisse live spielen 😊

Wie war die Stimmung untereinander während der Arbeit am Album? Gibt’s eine lustige Anekdote, die ich weitergeben darf?

Es war Tomi sehr wichtig, dass wir eine entspannte Produktion haben. Martin hat einen Großteil der Songs vorproduziert und ich auch ein Paar. Wenn wir sie dann gemeinsam in der Probe arrangiert und gespielt hatten, sind wir im Prinzip direkt ins Studio gegangen und haben die Dinger eingespielt. Die Songs waren für uns also immer schön frisch und es gab auch keine Mammut-Recording-Sessions. Jeder hatte seine Aufgaben, jeder wusste was zu tun ist und alle waren echt engagiert. Die Stimmung war dementsprechend sehr gut.

Eine Anekdote hätte ich da vielleicht: Wir haben die Drums bei uns im Proberaum aufgenommen und irgendwann begann die Fußmaschine von Sven zu quietschen. Natürlich hat man das auf der Aufnahme gehört und wir haben das Problem erstmal mit WD40 gelöst. Was übrigens keine gute Idee ist, denn das Zeug ist kein Schmiermittel! Es wurde eigentlich immer schlimmer. Wir waren dann ziemlich froh, als wir einen Take hatten ohne quietschen … Und genau beim Ausklang der Becken hat dann mein Handy geklingelt. Könnte sogar auf dem Album sein, wenn man genau hin hört 😁

Welches Album hat dich am Anfang deiner Karriere am meisten beeinflusst?

Ich war als 16-Jähriger einen Monat in den USA und habe in der Mall of America einfach mal ein Album aus der Metal-Abteilung gekauft, weil mich das Cover angesprochen hatte. Dieses Album war „As the Palaces Burn“ von Lamb of God. Das Ding lief bei mir hoch und runter. Ein, zwei Jahre später bin ich dann mit „Miasma“ von The Black Dahlia Murder auf den Melodic Death Metal – Geschmack gekommen. Und ab da habe ich mir wirklich alles reingezogen. Annihilator, Ensiferum, The Faceless, Cynic, COB, Necrophagist, alt, neu, scheißegal – Hauptsache es knallt.

Hörst du auch andere Genres oder beschränkst du dich nur auf Heavy Metal? 

Als Gitarrist komme ich eigentlich aus der Latin Jazz/Bossa Nova Ecke. Das ist die Musik, die immer im Fahrstuhl zur Beruhigung läuft. Ich bin ein riesen Joe Pass-Fan! Aber ich habe auch immer ein Ohr für aktuelle Popmusik. Grundsätzlich finde ich aber in jeder Musik irgendwas Spannendes, wenn sie sich traut Regeln aufzubrechen. 

Mal ein wenig weg von der Musik. Wie schaut’s aus mit Hobbys?

Neben der ganz normalen Arbeit und der Musik nehme ich mir eigentlich nur Zeit für ein bisschen Sport. Martin und ich gehen z.B. regelmäßig zum Squash. Abends wird natürlich auch gern mal die Playstation angeworfen. Das ist aber mehr Zerstreuung als Hobby.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich…

…mich gerne wieder an das Passwort für meinen Bitcoin-USB-Stick erinnern. Nein, ehrlich, keine Ahnung. Ich möchte jetzt meine Allmachtsphantasien hier nicht so ausbreiten… aber ich würde schon gerne Feuerbälle aus den Händen schießen können. Wie geil wäre das. Hahaha Rammstein nehmt das! …Sorry … 

Zum Schluss ein paar Sätze von dir an die Fans da draußen 🤘

Danke, dass ihr es bis hierhin geschafft habt! Jetzt los, bestellt das Album damit ihr bei den Gigs schön mitgrölen könnt.

Danke euch für das Interview bzw. die Beantwortung meiner Fragen. Ich wünsche dir vor allem, dass ihr und eure Lieben gesund bleibt und fetten Erfolg für euer Album „We Are The People“!


Grazie, dass ihr das Interview gelesen habt und so auch mehr über das kommende Release von Rebellion wisst. Das Album kommt, wie erwähnt, am 23.07.2021 über Massacre Records und wird als CD Digipak, limitierte Vinyl LP sowie als Download & Stream erscheinen.

Line Up

Michael Seifert | Vocals
Fabrizio Costantino | Guitars
Martin Giemza | Guitars
Thomas Göttlich | Bass
Sven Tost | Drums

Photocredit: Sarah Löwer
Edit: Björn Gooßes

Tracks „We Are The People“:

01. Voices Of War || 01:03 Minuten
02. Risorgimento (Tear Down The Walls) || 03:38 Minuten
03. Liberté, Égalité, Fraternité || 03:28 Minuten
04. Sweet Dreams || 04:20 Minuten
05. Vaterland || 04:31 Minuten
06. Verdun || 05:17 Minuten
07. Ashes To Light || 03:49 Minuten
08. Gods Of War || 04:56 Minuten
09. Shoa (It Could Have Been Me) || 07:03 Minuten
10. World War II || 05:25 Minuten
11. All In Ruins || 06:26 Minuten
12. We Are The People || 04:10 Minuten