“Kings Winter im Interview”

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Hallo Metalheads. Heute habe ich ein Interview mit dem „Heavy Metal Ehepaar“ Tobias und Jule Dahs. Die beiden kommen aus dem schönen Städtchen Königswinter nahe des Siebengebirges. In diesem Jahr veröffentlichten sie ihr Album Edge of Existence. Ihr Debütalbum konnte ich auch besprechen, doch bevor ich euch dieses präsentiere, möchte ich euch zunächst das Interview mit den Beiden posten.

Tobi – Metal and Me

Jule – Kings Winter
Tobias – Kings Winter


Hallo Tobias und Jule von “Kings Winter”. Mein Name ist Tobi. Danke, dass du dir die Zeit für ein paar Fragen von mir nimmst. Ich betreibe eine Facebookseite und einen Webblog. Auf diesen Seiten poste ich Reviews aktueller Alben, Interviews, Bandvorstellungen und Berichte über Konzerte, welche ich mit dem Rollstuhl besuche. Zum einen um anderen Rollifahrern zu berichten wie der Veranstaltungsort in puncto Barrierefreiheit ausgestattet sind und zum anderen wie man am besten vorgeht, um Tickets zu bekommen, denn meist geht das bei herkömmlichen Ticketportalen nicht.

In Zukunft werden wohl auch die Hygienemaßnahmen vor Ort dazukommen, da ich als Hochrisikopatient auch sehr darauf achten muss. Natürlich berichte ich auch über den Auftritt der Bands. Heute habe ich ein paar Fragen an dich u. a. zu eurem Album „Edge Of Existence“.


Als erstes möchte ich euch fragen, wie es euch denn momentan geht, ist ja nicht unwichtig derzeit😊

Jule: Hallo Tobias, ja das ist im Moment auf jeden Fall ein wichtiges Thema. Wir hatten aber bis jetzt Glück, sind alle gesund geblieben und konnten trotz der Beschränkungen, problemlos am neuen Album arbeiten und die Zeit kreativ nutzen. Da hatten wir im Verhältnis zu vielen Bands und Veranstalter natürlich sehr viel Glück.

Wie aufgeregt wart ihr vorm Release eures Longplayers?

Tobias: So ein Release ist immer eine unheimlich aufregende Sache, weil man natürlich nie weiß, wie die Reaktionen von Fans und auch Presse ausfallen werden. Wir hatten vor Anfang an das Gefühl, dass die Platte wirklich stark geworden ist, trotzdem löst sich die Anspannung erst, wenn auch die Rückmeldungen zum Album gut sind.

Was halten die Bandkollegen von eurem Studioprojekt, das nun aber laufen lernt?

Jule: Ehrlich gesagt, weiß ich das gar nicht so genau. So richtig haben wir bisher nicht über das Thema gesprochen, auch weil wir uns einfach bedingt durch Corona alle lange nicht mehr gesehen haben und erst jetzt langsam wieder mit dem Proben loslegen werden. Allerdings haben mehrere Musiker bei uns verschiedene Projekte, daher kann ich mir nicht vorstellen, dass jemand etwas gegen unsere zweite Band einzuwenden haben wird.

Tobias

Reichen denn die Pausen bei „Living Abyss“ um „Kings Winter“ nicht zu vernachlässigen? Wie ist es umgekehrt?

Tobias: Da sehe ich ehrlich gesagt keine größeren Probleme, beide Bands parallel laufen zu lassen. Bei Living Abyss ist unser Gitarrist Jonas beim Songwriting der Hauptverantwortliche, bei Kings Winter halte ich in der Hinsicht so ein bisschen die Zügel in der Hand. Das heißt, dass ich mich da komplett auf Kings Winter fokussieren kann und meine Zeit nicht teilen muss. Und was Proben und Liveauftritte angeht, wird sich das auch alles miteinander vereinbaren lassen, sobald diese Seite des Bandlebens nach Corona wieder mehr Fahrt aufnimmt, denke ich.

Wie würdest du euch beschreiben, müsstet ihr euch bei einem Bandcontest bewerben?

Tobias: Schwierige Frage, aber ich denke Melodic Heavy Metal passt schon ganz gut, immerhin findet sich in unserem Sound sowohl der Einfluss aus dem Melodic Death Metal, als auch der Sound der klassischen NWOBHM-Bands wie Iron Maiden oder Diamond Head wieder. Irgendwo in der Schnittmenge zwischen Amorphis und Iron Maiden würde ich uns daher wahrscheinlich einsortieren.

Ich habe im Review eure „Stammband“ erwähnt. Welchen Genre-Fokus habt ihr dort?

Jule: Bei Living Abyss sind wir tatsächlich eher im Melodic Death Metal verwurzelt, wobei das Ganze auch eine ordentliche Prog-Schlagseite hat. Irgendwo zwischen Children Of Bodom und Dream Theater kann man uns da am besten einsortieren, würde ich sagen.

Meine absoluten Favoriten sind „Ghosts In this Machine“ und „Crusader Of Today“. Könnt ihr meinen Lesern etwas über die beiden Songs erzählen und um was es generell im Album geht?

Tobias: Das gesamte Album hat eigentlich kein zugrunde liegendes Thema, sondern alle Songs drehen sich eher lose um den aktuellen Zustand unserer Gesellschaft und unseres Planeten. Wann immer ich Texte schreibe, kommt das zum Tragen, was mich gerade bewegt und Themen wie Rassismus, unser Umgang mit dem Planten und die Vergänglichkeit unserer Existenz waren gerade im vergangenen Jahr ja ein ständiger Begleiter.

Die beiden Tracks, die du angesprochen hast, gehören tatsächlich auch zu meinen Favoriten. „Ghost In This Machine“ wurde inspiriert von Arthur Koestlers Theorien zum Hang der Menschheit hin zur Selbstzerstörung. Für ihn hängt das mit unseren inneren Trieben zusammen, die viel zu oft unser logisches Denken übertrumpfen und uns Dinge tun lassen, von denen wir eigentlich wissen, dass sie nicht richtig sind. Damit hängt der Song auch relativ stark mit dem Thema von „Crusaders Of Today“ zusammen, wo es um die ganzen Querdenker oder Verschwörungstheoretiker geht, die glauben den Rest der Menschheit vor einer Verschwörung retten zu müssen. Auch sie knipsen da einen guten Teil ihres logischen Denkens aus, um irgendwie einer Sache wie der Corona-Pandemie einen „Sinn“ zu geben und vergessen dabei, dass wir die Sache auch logisch und wissenschaftlich angehen könnten und müssten, um unsere Mitmenschen so gut es geht zu schützen.

Jule

Wie siehts bei euch aus mit einem Lieblingssong? 

Tobias: Das ist eine fiese Frage, fast so als würde man Eltern nach ihrem Lieblingskind fragen. Nein, im ernst, das hängt bei mir immer von der Stimmung ab und pendelt zwischen den Tracks des Albums und unserer EP hin und her. Gerade jetzt würde ich aber „The Next In Line“ sagen, weil ich den Song bei den Vorbereitungen für die anstehenden Proben einfach unheimlich gerne spiele und ich die Dynamikwechsel des Songs liebe.

Jule: Was die Message angeht, ist für mich auch ganz klar „The Next In Line“ mit seiner klaren Kante gegen Rassismus der wichtigste Song auf der Platte. Trotzdem würde ich aktuell wohl „Kingdom Of The Blind“ sagen, einfach weil ich den Song unheimlich gerne singe und mich schon darauf freue, die Nummer bald auf die Bühne zu bringen.

Wie war die Zusammenarbeit mit Marco Vanga, auch im Hinblick, wenn man sonst alles alleine macht – außer den Gesang?

Tobias: Die Zusammenarbeit mit Marco lief absolut super. Kurz nach dem Release unserer ersten EP  hat er uns bereits kontaktiert und angeboten, auf unserem nächsten Release an den Drums zu sitzen. Als ich dann die Songs soweit fertig hatte, habe ich ihm die Spuren geschickt, er hat alles bei sich zuhause aufgenommen und ich habe alles nur noch in die Aufnahme-Projekte integriert. Das war wirklich unkompliziert und sein Input hat den Songs noch einmal den letzten Schliff verpasst. Ganz besonders liebe ich das, was er mit dem Schlagzeug im Riff nach dem zweiten Refrain in „The Next In Line“ gemacht hat. Dieser Drum-Roll über den ersten Beat des Taktes hinweg, einfach großartig.

Habt ihr Auftritte in Planung?

Jule: Bis jetzt ist auch dank Corona noch nichts wirklich fest geplant. Erst einmal schauen wir jetzt, dass wir mit der Bandbesetzung, die wir gerade zusammenstellen, ans Proben kommen. Aber wir haben schon einige Anfragen für potentielle Konzerte vorliegen, nur die genauen Termine stehen noch nicht fest. Es wird Kings Winter aber defintiv früher als später auf der Bühne zu sehen geben 🙂

Albumcover

Was hast du gedacht, als du das Cover-Artwork gesehen hast? Das sieht schon sehr geil aus.

Tobias: Tatsächlich ist mir als erstes wirklich der Albumtitel eingefallen. Dazu muss ich sagen, dass wir nicht etwa das Artwork nach unseren Vorstellungen erstellen lassen, sondern stattdessen gerne fertige Kunstwerke der Designer kaufen – ich lasse mich gerne vom Artwork dann für die Texte und Themen der Platte inspirieren. In diesem Fall sind wir so über das Bild von Aurelio Lara gestolpert und wir waren uns beide sofort einig: Das ist es! Und so hat das Cover dann indirekt auch die Stimmung der Platte beeinflusst, mit seinem Mix zwischen dem eher bedrohlichen Schädel und dem blauen Himmel im Hintergrund. 

Wie kamt ihr zum Metal? Habt ihr euch durch die Musik kennengelernt?

Jule: Ich komme eigentlich aus einer ganz anderen Ecke im Metal als die, die wir heute spielen. Ich bin durch Freunde nämlich zuerst beim Death Metal gelandet, bin also quasi an einer der härtesten Ecken in die Metalszene eingestiegen. Relativ bald habe ich dann mit Children Of Bodom den Melodic Death Metal entdeckt, was dann bei mir einen Nerv getroffen hat und damit war ich dann so richtig in der Szene angekommen.

Tobias: Bei mir war es tatsächlich ganz anders. Meine Einstiegsdroge war MTV und insbesondere der Nu Metal, der Anfang der 2000er dort ja extrem präsent war. Linkin Park, Korn und Deftones waren so meine ersten Lieblingsbands. Dann kam aber ganz schnell auch Iron Maiden und hat mich auch für klassischere Spielarten des Metals begeistert, bevor ich mich angestiftet von meinem Gitarrenlehrer auch mit Death und Black Metal angefreundet habe.

Und man kann wahrscheinlich schon sagen, dass wir uns durch die Musik kennengelernt haben. Ich habe Jule damals auf Metalflirt gefunden, schnell gesehen, dass sie auch in einer Band spielt und mich dann daran erinnert, dass ich sie mit Skadika sogar vorher schon einmal auf der Bühne gesehen hatte. Ich kam gerade aus einer Beziehung wo keine echte Akzeptanz für meinen Musikgeschmack und die Band vorhanden war, daher habe ich Jule direkt angeschrieben, weil ich mir sicher war, dass wir da deutlich eher auf einer Wellenlänge sein sollten. Und was soll ich sagen, der Rest ist Geschichte. Acht Jahre später sind wir verheiratet, haben eine Tochter und spielen in zwei Bands zusammen. 🙂

Jetzt kennt man ja das Eheleben mit seinen Up´s and Down´s. Wie löst ihr Meinungsverschiedenheiten im Studio – insofern es gibt sie!

Jule: Konflikte gibt es bei uns eigentlich wirklich selten und auch bei den Arbeiten am Album, sind wir nie auf Meinungsverschiedenheiten gestoßen. Wir wissen einfach beide, wo unsere Stärken liegen und sind offen für die Ideen des anderen.

Tobias: Also es kommt schon häufiger mal vor, dass Jule Vorschläge zum Aufbau der Songs macht, mit denen ich nicht direkt einverstanden bin. Gerade wenn es um Gitarrenparts geht, kommt da dann doch oft der Gitarrist durch, der eine Stelle des Songs vielleicht zu häufig wiederholen möchte. Eigentlich hat sie mit ihren Vorschlägen aber immer recht, was auch mir meistens ziemlich schnell klar wird und wovon die Songs dann profitieren.

Der tägliche Wahnsinn ist allgegenwärtig. Wurdet ihr an der Arbeit am Album eingeschränkt?

Jule: In der Hinsicht hatten wir wirklich Glück, da wir ja alles zuhause aufnehmen. So konnten wir auch trotz Lockdown durchgehend am Album arbeiten, ohne irgendwelche Einschränkungen zu haben. Da Marco seine Parts auch alle bei sich zuhause aufgenommen hat, gab es auch da keine Probleme. Einzig das Mastering, das unser langjähriger Freund Freio im Big Easy Studio gemacht hat, konnten wir nicht wie sonst bei einem Termin vor Ort abnehmen, sondern mussten das alles per Telefon und Mail abklären.

Mal ein wenig weg von der Musik. Wie schaut’s aus mit Hobbys?

Tobias: Das ist bei mir tatsächlich relativ leicht beantwortet: Musik 🙂 Wenn ich nicht gerade Musik mache, Alben produziere oder Musik höre, dann schreibe ich noch für ein Online-Magazin über Musik. Es dreht sich also fast alles um dieses Thema bei mir. Daneben würde ich wahrscheinlich Sport und Ausflüge mit meiner Frau und meiner Tochter nennen. Wir gehen gerne mal Wandern oder erkunden ein paar der Burgruinen hier am Rhein.

Jule: Neben der Musik bin ich auch sehr gerne an der frischen Luft unterwegs und gehe gerne wandern. Außerdem ist das Fotografieren meine Leidenschaft, daher übernehme ich auch eigentlich alles was in dieser Richtung bei Living Abyss oder Kings Winter an Aufgaben anfällt.

Was verbindet euch mit Königswinter, dass ihr sogar die Band nach der Heimat benannt habt?

Tobias: Naja, ich bin hier geboren und aufgewachsen und auch wenn ich es als Jugendlicher nie so richtig zu schätzen wusste, leben wir hier schon in einer Region, wo andere Leute Urlaub machen. Wir haben das Siebengebirge mit dem Drachenfels direkt vor der Tür und auch sonst gibt es hier einige schöne Ecken zu entdecken, daher lebe ich wirklich gerne hier und fand diese Hommage an meine Heimat im Namen der Band wirklich cool.

Jule: Mit Königswinter verbinde ich schöne Kindheitserinnerungen. Ich bin zwar erst hierher gezogen, nachdem Tobi und ich uns kennengelernt und dann auch geheiratet haben, aber ich war auch schon in jungen Jahren im Siebengebirge unterwegs. Der Drachenfels und auch die Löwenburg gehören daher auch zu den schönsten Kindheitserinnerungen, die ich mit meinen Eltern teile.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich…

Tobias: Ein Wunsch ist wirklich fies. In der aktuellen Situation würde ich wahrscheinlich „Gesundheit“ sagen. Wie wichtig das ist, ist einem im letzten Jahr erst wieder so richtig bewusst geworden. Ansonsten käme nach dem Weltfrieden und endlich einer Gleichbehandlung aller Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht aber wahrscheinlich eine Shopping-Tour im Musikhaus meiner Wahl mit unbegrenztem Budget, um meine sowieso schon zu große Gitarrensammlung weiter zu vergrößern 🙂

Zum Schluss ein paar Sätze von dir an die Metalheads da draußen ☺

Tobias: Nun, als aller erstes möchten wir uns bei dir Tobias für das coole Interview bedanken! Und natürlich auch noch einmal Danke an alle Metalheads da draußen, die uns und unsere Musik unterstützen. Bleibt alle gesund und hoffentlich sehen wir uns bald auf einer Bühne irgendwo in Deutschland! 🙂

Danke euch für das Interview bzw. die Beantwortung meiner Fragen. Ich wünsche euch vor allem, dass ihr und eure Lieben gesund bleibt und fetten Erfolg für euer Album „Edge Of Existence“!


Jule Dahs – Vocals
Tobias Dahs – Guitar, Bass,
Keyboards, Backing Vocals

Das war mein Interview mit Jule und Tobias über ihre Band Kings Winter. Ich habe euch den Link zur Bandcamp Seite des Metal Duos -> HIER <- eingefügt, dort könnt ihr euch das aktuelle Album und die damals erschienene EP besorgen. Ich hoffe, dass euch mein Interview Spaß bereitet hat und ihr die vorgestellte Band kennenlernen möchtet. Bleib gesund und munter euer, Tobi.

Albuminfo:
KINGS WINTER – Edge Of Existence
Release: 01. Mai 2021
Label: Eigenvertrieb
Recorded and Mixed by: Tobias Dahs @ Blackness Sound Studio
Mastering by: Michael „Freio“ Haas @ Big Easy Studio
Coverart by: Designlara
Photocredit: Jule | Kings Winter


Tracklist:
Living Systems (Intro)
Edge Of Existence
Kingdom Of The Blind
The Next In Line
The Human Dynasty
Ghosts In This Machine
Crusaders Of Today
Dangerous Ascendancy
Discard The Ashhes


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