“Grand Massive im Interview”

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“Grand Massive”! Die Jungs haben letztes Jahr ihr aktuelles Album, das auf den Namen „IV“ hört veröffentlicht und ich freue mich, dass ich mit Jochen ein Interview über dieses Album und einiges anderes, führen durfte. Ich habe vor kurzem auch eine Bandvorstellung veröffentlicht, die ich euch HIER verlinke, wenn ihr noch ein bisschen mehr über Grand Massive wissen wollt! Doch zunächst freue ich mich euch dieses Interview präsentieren zu können.

Tobi – Metal and Me

Jochen – Grand Massive


Hallo Jochen von Grand Massive. Mein Name ist Tobi. Danke, dass du dir die Zeit für ein paar Fragen von mir nimmst. Ich betreibe eine Facebookseite und einen Webblog. Auf diesen Seiten poste ich Reviews aktueller Alben, Interviews, Bandvorstellungen und Berichte über Konzerte, welche ich mit dem Rollstuhl besuche. Zum einen um anderen Rollifahrern zu berichten wie der Veranstaltungsort in puncto Barrierefreiheit ausgestattet sind und zum anderen wie man am besten vorgeht, um Tickets zu bekommen, denn meist geht das bei herkömmlichen Ticketportalen nicht.

In Zukunft werden wohl auch die Hygienemaßnahmen vor Ort dazukommen, da ich als Hochrisikopatient auch sehr darauf achten muss. Natürlich berichte ich auch über den Auftritt der Bands. Heute habe ich ein paar Fragen an dich u. a. zu eurem aktuellen Album „IV“.


Als erstes möchte ich euch fragen, wie es euch denn momentan geht, denn das ist das wichtigste überhaupt – das Wohlbefinden. 😊

Uns geht und ging es gesundheitlich während der Pandemie gut. Zwei Bandmitglieder sind in der Veranstaltungs- und Gastronomiebranche tätig und kämpfen schon mit den Begebenheiten, aber wir sind gesund geblieben. Und das ist das Wichtigste


Zu meiner „Schande“ muss ich gestehen, dass ich vorher noch keine Berührung mit „Grand Massive“ hatte. Nun möchte ich euch fragen: Was kann ich von eurer Musik, insbesondere von „IV“ erwarten?

Ich kann es einmal probieren, aber wie soll man das selbst beschreiben? Wir klingen nicht wie eine andere Band in meinen Augen. Das macht es evtl. etwas schwierig für eine Einordnung. Die Presse nannte Vergleiche von Life of Agony (Gesang) zu Down (Musik). Von metallischeren Undertow zu der mittleren Metallica Phase, also Load und Reload. Wir haben mit dem aktuellen Album auf jeden Fall mehr Heavy Metal Einflüsse zugelassen und auch etwas an den Refrains und Gesangslinien, die übrigens mit Christoph von den „Emil Bulls“ aufgenommen wurden, gefeilt.

Musikalisch wurde mehr Wert auf Abwechslung und feiner ausgearbeitete Songs und Solos geachtet. Außerdem landete mit „Devourer of Time“ der schnellste Song in der Grand Massive Geschichte auf dem Album. Und mit „My Path“, für den wir auch den geschätzten Dirk von „Warpath“ für Vocals gewinnen konnten, ist uns in meinen Augen ein klassischer 90er Metal Song gelungen. Also wer es hart aber auch melodiös mag, sollte mal ein Ohr riskieren.

Das Presseecho war durchweg gut für „IV“. Wie waren eure Fans zufrieden mit dem Album?

Ich kann dir die Mitglieder, das Jahr, den Produzenten und alle Songs von den ersten 4 Voivod sagen oder den ersten 3 Dark Angel oder den Morbid Angel Alben mit Vincent. Das ist denke ich ein Fan, der auch Details weiß – aber ob das jemand über Grand Massive sagen kann? Das bezweifle ich. Ich weiß gar nicht, ob es so viele wirkliche Fans gibt.  Wir haben einige Hörer und auch Leute, die sich immer wieder melden und unsere Musik sehr schätzen. Das freut einen natürlich sehr. Auch der Support für den VÖ unseres Vinyls war beeindruckend, worüber ich immer dankbar sein werde. Das Feedback der Presse und Hörer war aber wirklich Großteils sehr gut und das hilft natürlich für die Verbreitung des Bandnamens. Aber letztendlich sind wir sehr zufrieden mit dem Album und darauf kommt es erst einmal an. Also das Feedback ist auf jeden Fall um einiges angewachsen gegenüber dem Vorgängeralbum.

Läuft das mit den Alben wie bei Rocky I – IV? Und – ein Blick in die Zukunft – wird´s ne „V“ geben oder kommt dann ein andere Albumtitel?

Na ja, man wird sehen. Es gibt schon ein paar Ideen für einen Albumtitel und evtl. stellen wir dann die „V“ davor, aber da müsste man das auch  mit dem  Artwork anpassen. Hierfür steht auch schon die ein oder andere Idee. Ich finde es ganz interessant, die Alben durchzunummerieren.  Danzig macht das ja z.B. oder auch die Morbid Angel Alben, die immer mit in alphabetischer Reihenfolge veröffentlicht werden, finde ich als ein cooles Gimmick für die Fans. Aber diesbezüglich gibt es noch keine Entscheidung.


Was ist eurer Ansicht nach das beste Album von „Grand Massive“?

Natürlich heißt es immer, das aktuelle Album ist das Beste. Das stimmt sicherlich auch in der Hinsicht von Aufwand, Produktion, Artwork und Songs. Auf dem neuen Album hat ein mehr metallischer Stil und etwas mehr Melodie Einzug gehalten. Ich persönlich mag aber alle Alben gleich gern, da es mit guten Erinnerungen zusammenhängt.

Das Debüt ist unter ganz anderen Umständen und mit ganz anderen Zielen als das aktuelle Album geschrieben worden. Vom damaligen Line-Up ist auch nur noch Toby (Bass) und ich übrig. Beim zweiten Album war viel Bastelei dabei, 2 neue Mitglieder, noch Songs aus der Zeit vor deren Einstieg und erst mit dem dritten Album etablierte sich ein festes Line-Up. Ich mag es, wenn eine Entwicklung zu erkennen ist und sich der Stil nicht wiederholt. Und ich kann für mich sagen, dass uns das mit 4 Alben gelungen ist. So gut und professionell das neue Album auch ist, ist für mich das dritte Album aber mein liebstes GM Album, obwohl ich das neue Album professioneller und besser finde. 

Das „Wacken Rocks…“ gibt’s ja leider nicht mehr. Wie war es damals für euch mit Slayer, Doro und Co. ein Festival zu rocken?

Das war schon ein einmaliges Erlebnis und wir haben es 2 Tage lang Backstage genossen. Alle Bands waren recht locker unterwegs und so traf man am Gang mal Tom Araya oder Doro auf einen Plausch oder ein gemeinsames Foto, saß beim Essen mit UDO und Volbeat im selben Raum und konnte Fotos mit Michael Poulsen im Publikum beim Slayer Gig machen.

Da waren Volbeat noch weit von den Megastars entfernt. Sehr sympathisch und nett. Ich stand eine Zeitlang beim Slayer Auftritt seitlich am Bühnenrand und konnte Dave Lombardo beobachten, wie er sein Drumkit verprügelte; und das keine 5 Meter entfernt. Und Jeff Hanneman stand keine 3 Meter weg. Das sind schon einmalige Erlebnisse. Außerdem war unser Auftritt am Nachmittag auf der Wet Stage gut besucht und wir kamen gut bei den Leuten an.

Man muss bedenken, dass ich für die erste EP meine 4 Lieblingsmusiker ins Studio geschleppt hatte und als dann die Anfrage kam, hatten wir 20 Minuten Material und eigentlich keine aktive Band. Ich musste innerhalb kürzester Zeit ein 45 Minuten Programm schreiben, unseren damaligen Sänger aus Schweden einfliegen lassen und für unseren ersten Live-Auftritt proben. Das war schon sehr unerwartet, aber auch superspannend und eine unvergessliche Zeit.


Nun sind wir ja in ziemlich beschissenen Zeiten für Festivals und Co.! Dennoch möchte ich fragen ob in der Zwischenzeit schon ein Festival der Größe Summer Breeze oder Wacken angefragt hat. 

Nein, hat es nicht und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das Passieren wird. Ich bin jetzt seit über 20 Jahren mit meinem Label Daredevil Records aktiv und ich weiß mittlerweile, wie das alles läuft. Und ohne große Connections und Lobby und das nötige Kleingeld ist das eher unwahrscheinlich.

Es wäre natürlich sehr schön, ich kann mir aber gerade auch gar nicht vorstellen, wie ein Festival in dieser Größenordnung funktionieren sollte. Es bleibt auch hier spannend. Wir haben für dieses Jahr erst einmal keine Konzerte angenommen  bzw. geplant, da ich mir nicht vorstellen kann, wie so eine enge verschwitzte Clubshow stattfinden soll oder kann. Aber wir haben für 2022 einige Shows mit Undertow und Gorilla Monsoon gebucht. Dates gibt es auf unserer Homepage. Und vielleicht meldet sich ja noch das ein oder andere Festival bei uns.

Woher holt ihr euch die Inspiration für eure Lieder?

Aus dem täglichen Leben würde ich sagen. Es gibt zumindest nicht die eine feste Quelle, wie es bei manch anderen Bands läuft, die nur über Krieg, Drachen, Wikinger und Liebe singen. Das Leben hat genug zu bieten.

Ich kann mir vorstellen, dass ihr eine sehr starke Fanbindung habt. Wie erlebt ihr diese Zeit ohne den Kontakt zu den Leuten?

Es ist natürlich sehr schwer ohne Gigs, vor allem wenn es darum geht, eine Band am Laufen zu halten. Wir sind jetzt ja nicht von den Konzerten abhängig, aber auch wir haben als kleine Band Unkosten zu decken und die kommen im Großen und Ganzen nur über die Liveshows wieder rein. Für Bands, die ihren Lebensunterhalt mit Tourneen finanzieren ist das natürlich eine ganz andere Hausnummer. Wir hatten das Glück, dass wir kurz vor dem ersten Lockdown noch eine ausverkaufte Show in München hatten und im Lockdown im Juli letzten Jahres eine Abstandsshow spielen konnten. Schon da merkte man, wie ausgehungert das Publikum war. Für die Fans und Supporter haben wir auf unserer Bandcamp (https://grandmassive.bandcamp.com/) Seite eine kostenlose Live-EP von Januar 2020 online gestellt. Ab Anfang 2022 sind wir wieder unterwegs und hoffen auf gut besuchte Shows.

Der tägliche Wahnsinn ist allgegenwärtig und gerade ist er ganz besonders ausgeprägt. Wie wurdet ihr an der Arbeit am Album eingeschränkt?

Das Album war schon vor der Pandemie fertig, nur die Promotion dazu fiel in eine ungünstige Zeit. Ohne Pandemie hätten wir sicherlich mehr Aufmerksamkeit erhalten, da bin ich mir sicher. Aber einiges im Vertrieb und beim Label hat halt nicht so funktioniert wie ohne Corona. Als kleine Band musst du dein Album vor allem auf der Bühne promoten und nur somit kannst du auch eine neue Hörerschicht aufbauen. Man musste schon doppelt kämpfen hatte ich zumindest das Gefühl. Aber für eine Verschiebung des Releases war es zu spät und wäre außerdem vielleicht auch nicht sinnvoll gewesen.

Gibt’s ein paar lustige Anekdoten, aus der Zeit, in der ihr an dem Album gearbeitet habt?

Ja, die gibt es immer. Wenn wir uns als Band sehen, ist das immer sehr amüsant. Aber spezielle Anekdoten kann ich gerade nicht hervorkramen.


Mal ein wenig weg von der Musik. Wie schaut’s aus mit Hobbys? Fußball? Zocken? Oder was ganz Abgefahrenes?

Haha….die Arbeit nimmt die meiste Zeit meines Lebens in Anspruch, dann gibt es ja noch die geliebte Familie. Ich probiere so viel wie möglich sportlich aktiv zu bleiben, vor allem mit Yoga, Fußball, Radtouren und Tischtennis. Und so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie zu verbringen hat die oberste Priorität. Wenn mal Zeit bleibt, dann muß ich mich um mein Haus und mein Label Daredevil Records kümmern, hole mir was Gutes zu lesen oder ziehe mich zu meiner Plattensammlung zurück – da kann ich immer Kraft tanken. Also langweilig wird es mir eher nicht.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich…

…die Welt von Krankheiten und Corona befreien.

Zum Schluss ein paar Sätze von dir an die Fans da draußen 😊

Undergroundbands brauchen Unterstützung, da oft die Kosten zum großen Teil selbst getragen werden müssen. Kauft Euch nicht das 10. Maiden Livealbum oder das 100ste Motörhead Best Of Teil – support the Underground! Support für die kleinen Bands. Die machen den Großteil der Szene aus.  Das gleiche gilt für die kleinen Clubs und Kneipen. Wenn das alles wegfällt, wird es eng werden mit dem Heavy Metal! Schaut mal auf unsere Bandcamp Seite und besucht uns ab 2022 auf unseren Shows, wir werden es euch danken.

Danke dir für das Interview bzw. die Beantwortung meiner Fragen. Ich wünsche dir vor allem, dass ihr und eure Lieben gesund bleibt! Ebenso. Es gibt einfach nichts Wichtigeres im Leben. Danke für das Interesse und den Support.


Das war mein Interview mit Jochen von “Grand Massive”. Ich hoffe es hat euch genauso gefallen wie mir, etwas über diese Band und auch über Jochen zu erfahren. Wie Jochen auch schon gesagt hat, schaut in den Underground (!!!) dort gibt es viele, viele gute Bands die eure Unterstützung brauchen und mit ihrer großartigen Arbeit + Leidenschaft zur Musik auch redlich verdienen – bis dahin – bleibt gesund und munter, euer Tobi!

Grand Massive sind:
Alex Andronikos | Vocals
Jochen Böllath | Guitar
Peter Wiesenbacher | Lead Guitar
Toby Brandl | Bass
Raphael Speyerl | Drums

Photocredit: Grand Massive