“Existent im Interview”

Bandlogo

“Existent” das ist eine vierköpfige Formation aus Hamburg, die mit modernen deutschsprachigen Texten und harten Metal- & Rockgitarren seit einigen Jahren durch die Republik ziehen. Ihre Texte orientieren sich an allem, was sie bewegt. Von globalen Geschehnissen, welche die aktuellen Nachrichten prägen über gesellschaftliche Probleme bis zu den persönlichen Kämpfen, die jeder tagtäglich mit sich führt, greifen sie so ziemlich alles auf, was laut ihrer Meinung nicht unter den Tisch fallen darf. Darum stehen sie nicht nur privat, sondern auch als Band geschlossen für ein weltoffenes, tolerantes und buntes Miteinander ein und heißen alle, die sich damit identifizieren können, auf ihren Konzerten willkommen!

Ich sprach mit Jonas, der für den Bass und zusammen mit Julian für die Backing Vocals zuständig ist, über die bald erscheinende EP “Kartenhaus”, den bisher einzigen ausgekoppelten, gleichnamigen Song “Kartenhaus” (VORMERKEN: 14.05.21, Release der zweiten Single “Im freien Fall”) und noch einiges anderes mehr.

Jonas – Existent

Tobi – Metal and Me


Hallo Jonas von „Existent“. Mein Name ist Tobi. Danke, dass ihr euch die Zeit für ein paar Fragen von mir nehmt. Ich betreibe eine Facebookseite und einen Webblog. Auf diesen Seiten poste ich Reviews aktueller Alben, Interviews, Bandvorstellungen und Berichte über Konzerte, welche ich mit dem Rollstuhl besuche. Zum einen um anderen Rollifahrern zu berichten wie der Veranstaltungsort in puncto Barrierefreiheit ausgestattet sind und zum anderen wie man am besten vorgeht, um Tickets zu bekommen, denn meist geht das bei herkömmlichen Ticketportalen nicht. Natürlich bewerte ich auch den Auftritt der Bands.

In Zukunft werden wohl auch die Hygienemaßnahmen vor Ort dazu kommen, da ich als Hochrisikopatient auch sehr darauf achten muss. Ich schreibe natürlich auch über den Auftritt der jeweiligen Band. Heute habe ich ein paar Fragen an euch u.a. zur (quasi) Debüt EP „Kartenhaus“.


Wie läuft es bei euch gerade? Geht’s euch allen gut?

Moin Tobi, vielen Dank erstmal für die Anfrage eines Interviews. Ich hoffe natürlich, dass wir hier ein spannendes Gespräch haben werden, aber muss schon mal vorweg sagen, dass sich das Interview für uns allein deshalb gelohnt hat, weil wir Barrierefreiheit bei unseren Konzerten bisher nicht aktiv mitgedacht haben und diesen Punkt deshalb auf jeden Fall mitnehmen werden.

Und ja, wie geht es uns? Wir können uns nicht beklagen. Corona hat uns in einer Findungsphase erwischt, in der wir eh nicht groß Touren oder Auftritte geplant haben und uns die Einschränkungen nicht so sehr betreffen wie andere Bands. Außerdem haben wir alle unsere Jobs behalten und wursteln uns dementsprechend durch die aktuelle Zeit.

Warum kann man „Kartenhaus“ als Debüt-EP bezeichnen?

Da wir 2013 schon mal eine EP released haben und 2016 ja sogar Mal ein Album veröffentlicht haben, ist es eigentlich kein Debüt. Jetzt das große aber: Da waren wir noch halbwegs grün hinter den Ohren und haben halt mal gemacht. Nach unserer Findungsphase gehen wir mit einem anderen Sound an den Start und haben uns persönlich weiterentwickelt, sodass das „Kartenhaus“ besonders für uns bandintern ein Debüt ist.


Wie würdest du „Existent“ und die Musik, die ihr macht, beschreiben. Sowohl lyrisch als auch musikalisch?

Fangen wir doch Mal mit dem musikalischen an. Ich denke, dass wir mittlerweile schon einen modernen Sound haben, der Rock und Metal zusammenbringt und am Ende kommt dann halt Existent dabei raus. Dabei verschreiben wir uns aber keinen Dogmen, dass wir unbedingt eine spezielle Zielgruppe ansprechen oder ein spezielles Genre abdecken, sodass es in Zukunft da bestimmt noch weitere Veränderungen geben wird. Die Hauptschlagworte werden dabei aber sicherlich Modern Metal bleiben.

Bei den Lyrics sind wir jetzt an einem Punkt angelangt, dass wir Themen gefunden haben, die uns alle interessieren und eine Art und Weise gefunden, wie wir die Themen ansprechen. Komplexe Themen wie Klimawandel, Leistungsdruck etc. in kurze Texte zu fassen, ist uns nicht so leichtgefallen, aber dem Feedback der Fans nach, ist es uns ganz gut gelungen.

Trotzdem gibt es natürlich auch weiterhin Songs zum Mitgröhlen – keine Angst!

Wie kam euer sehr interessanter Bandname zustande?

Erstmal vielen Dank! Du bist die erste Person, die unseren Bandnamen interessant findet. Wie sind wir darauf gekommen? Anfangs haben wir unseren mehrmals gewechselt, weil er uns nach kurzer Zeit nicht mehr gefiel, unnötig provokant war oder es halt schon eine Band mit diesem Namen gibt, die beim ersten Googlen noch nicht gefunden wurde. Dementsprechend saßen wir stundenlang zusammen, haben überlegt, gesammelt und diskutiert und hatten am Ende der Diskussion immer noch keinen Namen.

Dann sind wir strukturierter an die Sache ran gegangen und wir haben nach Gemeinsamkeiten der Bandmitglieder gesucht, um darüber auf einen Namen zu kommen und nach weiteren hitzigen Diskussionen hatten wir dann als elementare Gemeinsamkeit aller, dass wir existieren. Und zack! Da waren wir dann auf einmal Existent haha.

Singlecover “Im freien Fall”

Am 23.07.21 erscheint eure EP „Kartenhaus“ mit fünf Tracks, wovon einer, der Titeltrack „Kartenhaus“, bisher veröffentlicht wurde. Wann dürfen wir denn einen zweiten Song erwarten?

Der nächste Song kommt am 14.05.21 und ist wieder überall verfügbar, wo es Internet gibt!

Ich würde meinen Lesern gerne ein paar kurze Sätze von euch zu den einzelnen Liedern präsentieren.

Kartenhaus – Unser Statement zur Konsumgesellschaft und Wachstumsdruck auf einem dicken Riff. Fanden wir sowohl musikalisch als auch thematisch passend als Opener.

Im freien Fall – Auch dieser Song geht ziemlich nach vorne – schließlich wollen wir hier dagegenhalten. Gegen den Rechtsruck in ganz Europa, gegen ein Klima der Intoleranz und des Fremdenhasses. Das ist übrigens der zweite Song der kommen wird.

Tick Tack – Tick Tack bringt musikalisch die ersten beiden Songs ein Stückweit zusammen, schneller Song mit dickem Riff. Der Titel deutet auch schon darauf hin, worum es inhaltlich geht: Zeit. Die Zeit die wir haben bzw. halt auch eben nicht haben.

Panik – Der Name ist Programm. Aber nicht wir sind panisch, sondern wir prangern an, wie in unserer Gesellschaft Panik erzeugt und genutzt wird.

Das Haus am Ende dieser Straße – Die Akustiknummer zu unserer EP, in der wir Aufarbeiten, was in einem eigentlich so vor sich geht, wenn ein geliebter Mensch plötzlich weg ist. Ein Song, bei dem beim Hören auch ein Tränchen verdrückt werden darf.


Gibt’s ein paar lustige Anekdoten aus eurem Bandleben, die ihr meinen Lesern erzählen wollt?

Es gibt ganz viele lustige Anekdoten, die wir lieber nicht mit den Lesern teilen wollen, aber natürlich auch ein paar, die wir erzählen können.

Klassiker jeder Band ist ja eigentlich der Auftritt, bei dem mehr Leute vor als auf der Bühne stehen. Das hatten wir so tatsächlich noch nicht, waren aber auch schon mal nahe dran. Das war aber trotzdem ein super Auftritt und hatte den Vorteil, dass wir danach noch mit allen Gästen in die nächste Kneipe düsen konnten.

Ansonsten sind wir Profis darin auch zwei Mal direkt hintereinander die falsche Abfahrt von der Autobahn zu nehmen, nach mehrstündiger Fahrt zum Auftritt festzustellen, dass wir das halbe Drumset im Proberaum vergessen haben oder auch nach mehrstündiger Fahrt nach Hause festzustellen, dass wir das halbe Drumset in der Location vergessen haben.

Also wenn das hier Veranstalter lesen, bucht uns gerne – wir lassen euch immer gerne hochwertiges Equipment in der Location stehen.

Habt ihr persönliche Erlebnisse in die Songs gepackt bzw. darin verarbeitet? Ich denke da besonders an Lied #5, „Das Haus am Ende dieser Straße“.

Alle unsere Songs sind von persönlichen Erlebnissen geprägt. Klar beim „Haus am Ende der Straße“ wird das besonders deutlich, wobei das dann auch die Erlebnisse sind, über die man nicht so gerne spricht, weil damit viel Trauer und Schmerz verbunden sind. Aber auch in den anderen Songs stecken unsere Erlebnisse und Erfahrungen – in Tick Tack beispielsweise viel aus unserem beruflichen Alltag.

Die Presse gab bisher sehr gute Rückmeldungen – meine Review folgt noch 😊 – wie stolz seid ihr?

Momentan sind wir sehr stolz. Auch bei unserer ersten EP und beim ersten Album gab es gute Kritiken, aber teilweise halt auch nicht so gute. Bisher sieht da alles super positiv aus und das ist natürlich ein mega Gefühl.


Auch die Hörer geben gute Rückmeldungen und ich persönlich hätte Bock auf einen Longplayer von euch. Wie stehen die Planungen dafür?

Wer uns schon eine Weile kennt, weiß, dass wir jedes Jahr versprechen ein Album rauszubringen und am Ende kommt nichts, aber soviel darf schon mal verraten werden:

Wir haben nicht nur die Songs für die erscheinende EP geschrieben, sodass wir für dieses Jahr (mal wieder) ein Album planen und die Gegebenheiten drumherum so sind, dass wir es dieses Jahr auch schaffen können ein Album raus zu hauen.

Wie erlebt ihr diese Zeit der Pandemie? Wie beeinflusst euch Covid19 beruflich und in der freien Zeit? 

Da hast du jetzt mit mir wohl den erwischt, den es am wenigsten trifft. Ich konnte auch schon vor COVID von zu Hause ausarbeiten. Abgesehen davon, dass Termine digital stattfinden, sind Maske und Teststäbchen in der Nase da tatsächlich beruflich so das größte „Ärgernis“.

Julian hingegen hat es sein Auslandsjahr im Studium zerlegt und bei der anschließenden Jobsuche war COVID bestimmt auch nicht hilfreich.

Am stärksten macht es sich sicherlich im Privaten bemerkbar. Wir haben seit über einem Jahr keine normale Probe mehr gehabt. Zwar standen bei uns eh wenige Gigs an, aber es ist schon für das Miteinander komisch, wenn man sich meistens nur digital sieht. Trotzdem sehe ich unser Gemeinschaftsgefühl gestärkt und dadurch, dass wir nicht so viel doofes Zeug geschnackt haben, waren teilweise sogar produktiver als sonst.


Wie kam es zum, sehr stylischen, Plattencover? Wer hatte die Idee dafür?

Tatsächlich sind bei uns die kreativen Ideen immer ein extrem langer Prozess. Meist hat Marcel bereits ein Bild im Kopf, welches er direkt raushaut und mit uns teilt. Das wird dann aber auch gleich mit unserem Grafiker Finn besprochen, der ebenfalls seinen Senf dazu gibt. Hinzu kommt die super enge Zusammenarbeit mit unserem Produzenten Alex Henke, der sich nie scheut, seine Meinung mit einfließen zu lassen. Es wird diskutiert und diskutiert. So vergehen gerne mal mehr als ein paar Tage 😉 Wenn man dann gefragt wird, wie man auf eine bestimmt Idee gekommen ist, gucken wir uns meist ratlos an und stellen uns selbst die Frage, da man es in all dem Gewusel kaum noch rekonstruieren kann haha.

Die brennende Karte hat für uns jedoch eine klare Message. Die Karten spiegeln die krassen Gegensätze der Gesellschaft wieder. Sie sollen unser globales System widerspiegeln. Auf der einen Seite haben wir den jungen Kindersoldaten als “Buben” und auf der anderen Seite haben wir den reichen, versnobten Typen, der bereits in jungen Jahren ausgesorgt hat. Diese globalen Disparitäten führen bereits seit einigen Jahren dazu, dass es auf der ganzen Welt “brennt” und genau diesen Zustand, wollten wir visuell erzeugen.

In der Band Bio steht, dass ihr euch aus einer fixen Idee heraus gegründet habt. War damals schon die Richtung klar, in die ihr musikalisch gehen werdet?

Also damals war uns schon klar, dass es musikalisch irgendwo zwischen Hip Hop und Death Metal liegen soll, aber so richtig eigentlich nicht. Zum Zeitpunkt der „Bandgründung“ hatte ich gerade erst seit ein paar Wochen einen Bass. Es ging mehr das Spielen als um das, was wir spielen. „Ach, Jonas hat jetzt einen Bass? Ja dann lass doch ‚ne Band gründen.“

Wenn du jetzt ein Konzert besuchen dürftest, zu welchem Künstler würdest du gehen?

Rammstein! Für die Tour haben wir alle Karten und da haben wir alle Bock drauf. Ich bin der einzige aus meinem Freundeskreis, der Rammstein noch nie live gesehen hat und das muss ich auf jeden Fall noch! Marcel hingegen ist seit dem er aus der Grundschule raus ist totaler Rammstein Fanatiker. Mittlerweile ist der jugendliche Hype natürlich etwas abgeflacht, aber das liegt wahrscheinlich nur daran, dass er die Shows bereits ein dutzend Mal gesehen hat und sogar nach Russland sowie zur Generalprobe der Band gefahren ist… Krank! Spricht aber wohl für eine passable Band, die ich endlich sehen muss 😉 (kleine Anmerkung von Tobi: Ich hab Rammstein auch schon gesehen, damals noch in einer kleine Halle zur “Sehnsucht” Tour. Muss man gesehen haben :-))


Gibt’s auch Bands aus anderen Stilrichtungen, die du magst?

Also wenn unsere Stilrichtung deutschsprachige Rock-/Metalmusik ist: ohja, denn ich höre hauptsächlich englischsprachige Musik, die dann auch noch Mal deutlich härter ist. Also im Black und Death Metal fühle ich mich schon ganz wohl, höre aber auch gerne Rap oder alte Hard Rock-Sachen. Wenn wir das dann auf die ganze Band beziehen, kommen da noch ganz andere Musikrichtungen zu.

Mal ein wenig weg von der Musik. Wie schaut’s aus mit Hobbys?

Insbesondere durch Corona ist Musik schon eines der wenigen Hobbys, das man überhaupt ausüben kann. Da ich neben dem Beruf und der Musik zusätzlich noch studiere, bleibt mir allerdings auch nicht so viel Zeit für Hobbys. Mein allerliebstes Hobby ist, dass ich mir vornehme mit Sport anzufangen und es dann doch nicht mache.

Dein größter Wunsch außerhalb der Musik?

15 kg weniger am Körper.

Zum Schluss ein paar Sätze von euch an die (künftige) Hörerschaft da draußen? 😊

Mal sehen, ob ich das hinkriege, ohne dass es zu abgedroschen klingt:

1. Ihr seid die besten
2. Hört auf jeden Fall bei Spotify & Co. in die neuen Songs rein
3. Bleibt gesund
4. Hand vom Eisen

Danke für das Interview. Etwas, das mir wichtig ist: bleibt gesund und viel Erfolg mit eurer EP!

Ich bzw. wir danken dir! Bleib gesund, bleib sauber und hoffentlich bis bald bei einem Konzert oder Festival.


Das war mein Interview mit dem sehr sympathischen und bodenständigen Jonas von “Existent”. Mit Marcel hatte ich auch schon öfter Kontakt und muss mit dem Rest der Truppe auch mal ein Interview führen. 🙂 Die EP “Kartenhaus” (VÖ 23.07.21) wird ein Knaller, so viel kann ich euch jetzt schon sagen, ihr solltet euch den 14.05.2021 (Singlerelease “Im Freien Fall”) also dringend in ALLEN verfügbaren Kalendern anstreichen, oder noch besser: liked die FB – Seite der Jungs -> EXISTENT <- und speichert den Song vor!

Photo by Finn Kölln

Existent sind:
Marcel Dummer (Lead-Vocals & Rhythmusgitarre)
Julian Jung (Lead-Gitarre & Backing Vocals)
Jonas Mensing (Bass & Backing Vocals)
Dominik Schmidt (Drums)

Ich hoffe, ihr hattet Spaß beim lesen dieses Interviews – bleibt gesund und munter!!

Beste Grüße
Tobi