“Hämatom im Interview”

Bandlogo

Als ich die Nachricht bekam, dass “Hämatom” ein neues Album veröffentlichen und es ein außergewöhnliches werden wird, war ich maximal gespannt auf das, was die vier Musiker aus ihrem Hut zaubern würden. Nun ist “Berlin” seit dem 02.04.2021 käuflich erhältlich, man kann es streamen und sich noch die, absolut hervorragende, Albumrelease-Show bis inkl. Donnerstag, den 08.04.2021 reinziehen sooft man mag. Ich habe die Show schon gesehen und auch SUED sagt noch etwas zur Show in unserem Interview.

Ausserdem ist “Berlin” auf dem Weg auf Platz 1 zu charten – daher streamt das heiße Teil und wer es nicht hat dem sei gesagt: “Deine Sammlung braucht dieses Album” 🙂 Nun zum Interview, über dessen Zustandekommen ich mich sehr gefreut habe.

SUED – Hämatom

Tobi – Metal and Me

Hallo NORD, SUED, WEST und OST. Mein Name ist Tobi. Danke, dass ihr euch die Zeit für ein paar Fragen von mir nehmt. Ich betreibe eine Facebookseite und einen Webblog. Auf diesen Seiten poste ich Reviews aktueller Alben, Interviews, Bandvorstellungen und Berichte über Konzerte, welche ich mit dem Rollstuhl besuche. Zum einen um anderen Rollifahrern zu berichten wie der Veranstaltungsort in puncto Barrierefreiheit ausgestattet sind und zum anderen wie man am besten vorgeht, um Tickets zu bekommen, denn meist geht das bei herkömmlichen Ticketportalen nicht. Natürlich schreibe ich auch über den Auftritt der Bands. Heute habe ich ein paar Fragen an euch zum Album „Berlin“.

Wie geht’s euch momentan?

Albumcover

Danke der Nachfrage. Uns geht’s gut, es ist aber durch die Promo unseres neuen Albums BERLIN gerade brutal viel los. Wir promoten ja das Album mit einer Streaming Show, nutzen durch Corona sehr viele, teils aufwendige Wege, wie Instagram Channel Takeovers oder diverse Live-Chats, die eben viel Zeit kosten. Auch bei der Promo wollen wir immer 100% geben, uns nie wiederholen, neue Dinge kreieren usw., so dass alle derzeit voll auf Anschlag arbeiten. Ohne Corona hätten wir eine spaßige Warm Up Runde durch die Bundesrepublik, würden hier und da musizieren, viele Leute treffen und all diese Dinge tun. Derzeit heißt es eben von zu Hause übers Netz den Leuten das Album und die neuen Songs näher zu bringen. Das ist eine große Herausforderung, die eben auch viel Energie und Zeit kostet.

„Tanz auf dem Vulkan“ ist bis dato der erste Song, den ich von „Berlin“ gehört habe. Dieser 20er Jahre Stil, der mir sehr gefiel, ist mal was anderes. Ich habe gelesen, dass ihr sowas schon immer machen wolltet. Aber woher kam eure Inspiration in die 20er zu gehen?

Was wir schon immer machen wollten, war ein Akustikalbum. Durch Corona und den damit verbundenen ausbleibenden Möglichkeiten, wieder große Bühnen mit großer Show zu spielen, war klar, dass die Zeit noch nicht reif ist für ein neues „lautes“ HÄMATOM-Album. Also haben wir unseren Traum akustisch zu musizieren vorgezogen. Dabei haben wir aber schnell gemerkt, dass die „klassische“ Umsetzung eines unplugged Albums gar nicht so spannend für uns sein könnte und OST kam dann getriggert unter anderem durch die Serie BABYLON BERLIN und dem 100.Geburtstag der 1920er Jahre mit der Idee ums Eck, genau diese Zeit wiederbeleben zu lassen. Die goldenen, wilden Zwanziger. Vorangegangen war auch damals durch die Spanische Grippe eine Pandemie und es folgte eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs und Blütezeit der Kunst und Kultur. Die Stadt Berlin wurde zum Sündenpfuhl Europas, an jeder Ecke waren Parties und die Leute haben es einfach krachen lassen. Letzteres ist übrigens auch eine Eigenschaft, die wir mit HÄMATOM sehr gut beherrschen. Und so kam Baustein zu Baustein und das Konzept unseres Albums ist zu einem stimmigen Gesamtgebilde gewachsen. Auch aus dem Plan nur 1-2 neue Songs zu schreiben und alte Songs von uns einfach akustisch um zusetzen, wurde dann die Tatsache, dass wir mit BERLIN 10 neue Songs veröffentlichen. Es ist einfach ein neues, eigenständiges Stück Musik.

Was erwartet uns Freaks und Metalheads im Hinblick auf das neue Berlin?

Es ist das wohl abwechslungsreichste Album unserer Historie. Wir haben zu nichts „Nein“ gesagt. Alles war erlaubt, egal, ob es um Rhythmen, Instrumente oder andere Parameter ging. Lediglich die Texte mit NORDs Stimme sind der rote Faden der Band HÄMATOM. Hier sind wir uns treu geblieben und für den Fan, der normalerweise nur Metal hört, ist das auch die stabile Komponente, an der man sich festhalten kann. Ansonsten rate ich einfach dazu, in das Album reinzuhören und sich selbst ein Bild davon zu machen. Wir hatten während der Aufnahmen wahnsinnig viel Spaß und hoffen, genau diesen auch auf CD gebannt bekommen zu haben und damit weitertragen zu können

Der tägliche Wahnsinn ist ja allgegenwärtig und gerade ist er ganz besonders ausgeprägt. Wie war die Arbeit an „Berlin“ in dieser Zeit der Pandemie?

Wir hatten zwei Sessions von je 7 Tagen. In diesen 14 Tagen ist wirklich alles entstanden: Songwriting, Aufnahme unserer Instrumente und NORDs Gesang, Aufnahme der Bläser, Streicher, Akkordeon, Piano, weiteren Saiteninstrumenten, Frauengesänge, dann noch Mix und Mastering. Eine unglaublich produktive Zeit, vor allem verglichen mit den Zeiträumen, die wir für ein „lautes“ HÄMATOM Album normalerweise brauchen.


Um eine entspannte Stimmung bezüglich der Ansteckungsgefahr von Corona zu gewähren, wurde immer vor einer Session und auch währenddessen getestet. Dadurch hat sich jeder sicherer gefühlt und war frei für die musikalische Reise, auf die wir uns Tag für Tag einlassen mussten. In dieser Zeit wurde ehrlicherweise sehr viel gelacht, dauernd waren Ideen im Raum und alle haben an einem Strang gezogen. Das war wirklich unglaublich und wird für uns auf jeden Fall als Highlight der Bandgeschichte in unseren Köpfen bleiben. Tatsächlich wurde vorübergehend auch diese Pandemie vergessen auf diesem großen abgelegenen Bauernhof, auf dem wir mit dem Produzenten VINCENT SORG (u.a. DIE TOTEN HOSEN, BROILERS, IN EXTREMO) diese Scheibe produziert haben.

Bekommen die Vinyl-Freaks „Berlin“ auch als Futter für die heimischen Plattenteller?

JA! Das ganze Projekt war zeitlich alles durch seine Spontanität so eng gestrickt und die Produktionszeiten von Vinyl sind so lange, so dass wir diese großen Scheiben leider nicht am Tag der Veröffentlichung von BERLIN anbieten konnten. Das Master wurde aber abgegeben und wir warten gerade auf die Lieferung. Wer Interesse hat, einfach regelmäßig unsere Social Media Kanäle besuchen, wir teilen es natürlich sofort mit.

Ich habe schon mit Begeisterung den Wacken World Wide Stream, den Stream zu Halloween und den Stream zum Dämonentanz gesehen. Zunächst einmal ein fettes Dankeschön für die Unterhaltung und Zerstreuung in dieser beschissenen Zeit. Diese drei Events waren schon sehr geil. Wie wollt ihr das noch toppen?

Mit unserem Stream zur Veröffentlichung dieses neuen Albums treffen wir in einem passenden Ambiente mit stilvollen Klamotten auf eine große Besetzung außergewöhnlicher Instrumentalisten, die gemeinsam mit uns dieses Album, aber auch alte Songs von uns mit Bild und Ton erstrahlen lassen. Die Idee, uns gleichzeitig auch live an das Thema heranzutrauen, hat uns anfangs durchaus auch ein paar schlaflose Nächte beschert, wir wurden aber schon nach einem ersten Treffen mit diesen hochkarätigen Musiker beruhigt und es war klar, dass es eine gute und wichtige Idee war, von diesem Konzept auch eine Umsetzung in Konzertform durchzuführen. Auf YouTube findet man als Auszug dieser Show die Nummer WERFT DIE GLÄSER AN DIE WAND mit einem unserer Gäste dieses Abends, nämlich BEN von FEUERSCHWANZ / DARTAGNAN.

Wie ist das nun mit dem Tanz-Stil der 20er? Habt ihr den drauf?

NEIN 🙂 Ich kann die Rhythmen dazu am Schlagzeug anbieten und lasse andere tanzen. Und wenn man sich damit beschäftigt, wird man auch feststellen, dass Musik und Tanz brutal energiegeladen waren in dieser Zeit. Das ist schon bemerkenswert, vor allem wenn man es mit aktuellen Techno Dancefloors vergleicht. Diese wirken dagegen schon sehr stumpf und lahm.

Wie zuversichtlich seid ihr, dass wir in naher Zukunft wieder richtig Live mit euch feiern können, statt „nur“ im Wohnzimmer?

Ich bin sehr zuversichtlich. Wäre ich das nicht, würde ich morgen gleich einen neuen Beruf suchen. Für mich und ich glaube ich spreche hier für die ganze Band, ist die Live-Performance und das damit verbundene Reisen der wichtigste und spaßigste Part unseres Berufs. Es war der Grund, warum wir begonnen haben, ein Instrument zu lernen und diese Band zu gründen. Alles andere macht auch Spaß, ist aber eher als das Säen einzustufen und wenn man dann vor vollem Haus auf der Bühne steht, ist das die Ernte und du weißt in diesem Moment, warum du alles andere davor gemacht hast. Eine Onlineshow macht schon auch Spaß, aber während der Aufnahmen dieses Streamingkonzertes spielst du eben in einem leeren Saal und schreist in Kameras. Das fühlt sich dann eher wie ein Videodreh, als wie ein Konzert an. Wenn man dann später den fertigen Schnitt sieht sind wir alle immer selbst überrascht, dass das funktioniert und auch Spaß macht anzusehen. Aber ein richtiges Live-Konzert wird es wohl nie ersetzen.

Wie wichtig ist es dir während der anhaltenden Pandemie über Social Media mit den Freaks in Kontakt zu bleiben und zu erfahren, wie so die Stimmung ist.

Sehr, sehr wichtig. Würde man nicht dauernd den Kontakt halten, hätte man wohl kein Gefühl mehr dafür, wie viele Leute sich eigentlich überhaupt noch für dich und deine Band interessieren. Gerade unsere FREAK-Gemeinde hat sich in dieser für uns sehr schweren Zeit als wahnsinnig solidarisch gezeigt. Sie haben uns immer positives Feedback gegeben, unsere Crew supportet und wahrscheinlich haben wir uns alle immer wieder gegenseitig aus den Corona-Tiefs gezogen. Wir hatten und werden mit Sicherheit auch in Zukunft viele Aktionen haben.

Das reicht von den oben erwähnten Streaming Shows, bis hin zu lustigen Live-Runden, in denen wir Spiele mit unseren Fans spielen. Ein digitales FREAK-TEAM Treffen gab es auch schon via Zoom, was erstaunlich gut funktioniert hat. Hier gab es einen Moderator, der die vielen Teilnehmer koordinierte und wir hatten jede Menge Spaß, haben zusammen getrunken und jeder hatte Zeit von sich zu erzählen oder zum Beispiel Bilder von alten Treffen zu zeigen. Auf jeden Fall auch für alle Beteiligten was neues und im Nachhinein ein sehr schönes Highlight während des Lockdowns.

Habt ihr zum Schluss ein paar Sätze von euch an die Freaks/Metalheads da draußen 🙂

Bleibt weiterhin geduldig mit dieser Pandemie und den damit verbundenen Maßnahmen. Ja, es dauert alles viel länger, als man es anfangs erwartet hatte, aber auch diese Pandemie wird vergehen. Die Hoffnung nicht aufgeben, wir machen es auch nicht. Und dann werden wir uns alle wieder in den Armen liegen.

Hört zur Überbrückung dieser beschissenen Zeit mal in BERLIN rein. Der beste Soundtrack, um sich aus Lockdown-Löcher zu ziehen und in die Zukunft zu blicken, wenn das wilde Treiben wieder losgeht.

Danke für das Interview. Etwas, das mir wichtig ist:  bleibt gesund und viel Erfolg mit dem Album! Wir sehen uns hoffentlich bald in den Hallen in Deutschland und können rauschende Partys feiern, wie sich das gehört.

Danke dir für das Interesse und Interview!

Thorsten „Nord“ Scharf | Gesang
Jacek „Ost“ Zyla | Gitarre
Peter „West“ Haag | Bassgitarre
Frank „Süd“ Jooss | Schlagzeug

Photos by Holger Fichtner & Patrick Schneiderwind – 360 Grad Design

Das war mein Interview mit SUED von HÄMATOM. Ich hoffe, es hat euch gefallen und hat euch Lust aufs Album gemacht, solltet ihr noch nicht in BERLIN reingehört haben. Ich persönlich bin von und durch diese zehn neuen Songs bestens unterhalten, dass habe ich auch schon in meinem Artikel über BERLIN geschrieben, den ihr HIER nachlesen könnt. Ansonsten schließe ich mich SUED an und wünsche euch, dass ihr gesund, gut gelaunt und optimistisch bleibt!

Beste Grüße
Euer Tobi von Metal and Me