Antiheld – „Disturbia“

Albumcover

Band: Antiheld
Album: Disturbia
Genre: Deutscher Rock der „anderen“ Art!
Label/Vertrieb: Arising Empire / Edel
Release: 09.04.2021

Bevor ich meinen Artikel richtig beginne, möchte ich ein paar Zeilen aus einer Meldung von der offiziellen „Antiheld“ Homepage hierher einfügen und kommentarlos so stehen lassen:

„wir stehn mit dem rücken zur wand, wenn wir nich bald wieder live spielen können. wenn ihr uns wirklich helfen wollt, dann bittebittebitte verhaltet euch so, dass konzerte bald wieder möglich sind, & holt euch unser neues baby. 🙏 in „Disturbia“ steckt alles, was wir hatten. alles haben wir von hand selbst gemacht, von der fanbox bis zum booklet.“
Quelle: https://www.antiheldmusik.com/

Die Veröffentlichung von „Disturbia“ musste leider immer wieder nach hinten verschoben werden, doch jetzt wird das Album am 09.04.2021 das Licht der Welt erblicken und es gibt nach „Goldener Schuss“ aus 2019 endlich neues, musikalisches Futter aus Stuttgart. Ich bin gespannt auf dieses Album, dass mit einigem an Weißwein während der Pandemie entstand und mit den ganzen Singles brutal Lust auf mehr machte! Wer zuvor mein Interview mit André lesen möchte, der findet es HIER!

„sommer unseres lebens“ eröffnet „Disturbia“. Der Song wurde im Juli 2020 veröffentlicht und war die erste Singleauskopplung des Albums, das eigentlich im letzten Jahr released werden sollte. Geschrieben wurde er in Zeiten der Pandemie. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dachte man, das Virus sei besiegt. „Na na na na na na na na na na na na na na“, so beginnt „motten um licht“. Der düste anmutende Song kam im August 2020 zu den Streamingdiensten und zwei Videos bei Youtube gibt’s auch dazu. Zum einen das offizielle Video und zum anderen eines aus einer Live-Session für einen Radiosender. Schön rockig macht „my only friend“ alles dafür, damit wir schön abrocken können. Leider war da schon bekannt das „Disturbia“ erst 2021 erscheinen kann. Das Releasedatum wurde auf den 22.01.2021 verschoben. Tief berührt hat mich die Rockballade „irgendwo stirbt grad ein kind“. Der Song bringt den Hörer unweigerlich dazu, zu reflektieren, ob das momentane Gejammer nicht doch auf einem sehr hohen Niveau stattfindet. Zumindest bei einigen Menschen. Danke für dieses Lied Jungs!

Bandphoto


„himmelblau“
ist eine „poppige“ Nummer und auch wenn die Stuttgarter ihren eigenen Pop beerdigen, ist dies doch eine schöne Nummer und passt auf die Scheibe. „standing in line“ rechnet gnadenlos mit der Kirche ab. Aber nicht mit hartem Geballer, sondern mit eher ruhigeren, nüchternen Tönen. Das Musikvideo dazu ist ebenfalls sehr sehenswert und unterstreicht die Botschaft des Liedes. Dem gesprochenen „chaos intro“ folgt der punkig angehauchte Song „chaos“. „alles gute für den winter“ thematisiert die langsame Zerstörung unserer Erde. Symbolisiert wird die gute Zeit mit dem Sommer, in dem wir gerade leben, gut leben. Das Gegenteil symbolisiert der Winter, in diesem leben irgendwann unsere Kinder. „oh bitte, mach mich ein letztes mal kaputt“ haben bestimmt schon einige gedacht wenn eine Beziehung in die Brüche geht. Die folgenden Songs gehen emotional sehr nahe. „alles nichts“ handelt um die Liebe und das Beisammensein. „wiegenlied“ hingegen ist ein Song ums Abschied nehmen. Abschied nehmen von seinen Lieben. Auch jetzt, nach dem xten mal anhören, kommen mir beim Schreiben dieser Zeilen die Tränen. „von schmerz & apotheken“ ist der Schluss-Song dieses bemerkenswerten Albums.

Das Metal and Me Fazit:

Antiheld entschuldigten sich für die Verzögerungen bei der VÖ von Disturbia. Covid19 trägt daran die Hauptschuld. Das Warten hat sich aber definitiv gelohnt. Diese dreizehn Lieder bilden eine emotionale Reise in die eigene Seele, bieten eine andere Sichtweise auf das Leben (wenn man sie zulässt). Die Songs konfrontieren den Hörer mit seinem Schmerz, lassen ihn aber nicht damit zurück, sondern finden die richtigen Worte um den, der vor den Boxen sitzt, wieder aufzurichten. Es lässt uns abrocken, aber auch ruhig dasitzen und einfach zuhören.

Ich muss gestehen, dass ich Disturbia nicht in jeder Stimmungslage hören kann, dafür ist das Album meiner Meinung auch nicht gemacht. Jeder, der sich für das Album entscheidet, muss selbst wissen wann er den Stuttgartern seine Ohren, Gedanken und sein Herz schenkt. Ich bin froh, „Disturbia“ gehört und es in meiner Sammlung zu wissen. Mein Tipp an euch: hört rein. Es lohnt sich.

4 von 5 Pommesgabeln
4 von 5 Pommesgabeln

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Tracks „Disturbia“:

01. sommer unseres lebens || 03:52 Minuten
02. motten um licht || 03:56 Minuten
03. my only friend || 03:48 Minuten
04. irgendwo stirbt grad ein kind || 04:21 Minuten
05. himmelblau || 03:51 Minuten
06. standing in line || 04:52 Minuten
07. chaos intro || 01:17 Minuten
08. chaos || 03:44 Minuten
09. alles gute für den winter || 04:32 Minuten
10. oh bitte, mach mich ein letztes mal kaputt || 04:00 Minuten
11. alles nichts || 03:38 Minuten
12. wiegenlied || 05:11 Minuten
13. von schmerz & apotheken || 04:12 Minuten

Bandphoto

Luca Opifanti | Gesang & Gitarre
André Zweifel | Gitarre
Matze Brendle | Bass
Sven Fischer | Schlagzeug
Henry Kasper | Akkordeon & Piano

Photos by Sandra Bertschinger