The Dogs – “Post Mortem Portraits of Loneliness”

Albumcover

Band: The Dogs
Album: Post Mortem Portraits of Loneliness
Genre: Punk / Punk Rock
Label: Drabant Music / Membran
Release: 02.04.2021

Als ich die Website von „The Dogs“ besuchte stand über ihr neues Album folgendes zu lesen:

„Post Mortem Portraits of Loneliness“
is now available wherever you normally get your drugs.

„Coole Sache“, dachte ich und rief meinen Apotheker an. Der wusste allerdings nichts von einem Medikament mit diesem Namen. Scherz beiseite. Ich bekam das Album auf meinen Tisch und widmete mich der Pressemitteilung, welche von Kristopher Schau geschrieben wurde, der übrigens in der Band singt und auch sonst die meisten der Texte und Songs schreibt. In der Kurzversion der Pressemitteilung schreibt er:

Die Kurzversion (das Einzige, was Ihr lesen müsst):
„Die Pandemie bedeutete, dass wir von The Dogs unser neuntes Studioalbum im Proberaum aufnehmen mussten. Wie alle Bands, die eine Platte veröffentlichen, denken wir, dass es unser bisher bestes Album ist.“

Doch auch die lange Version ist von Interesse da man erfährt, was eigentlich nach dem letzten Werk der Norweger, „Crossover“, passieren sollte. Die Kohle für die Clubtour und aus den Gigs auf verschiedenen Festivals sollte ins nächste Album fließen, da die Jungs dachten mit dem Geld einen wirklichen Volltreffer zu landen. Alles war vorbereitet, als dann Covid19 einen Strich durch die Pläne machte. Die Pressemeldung wird dann wirklich ein wenig schwierig zu erklären und so sage ich euch, dass die Band sagt, sie würden „dank“ Isolation und Homeoffice besser frischer und härter als zuvor klingen. Ich habe euch jedoch den kompletten, absolut genialen, Pressetext weiter unten angefügt. Ich zieh mir das Album nun ins Ohr und freue mich euch darüber berichten zu dürfen.

„Who’s Not Doing Great“ eröffnet das Album und ich bin absolut begeistert über diese Stimme, diese Melodie und den Text. Lyrics interpretiert man ja oft sehr individuell, dieser Text passt auf unsere Situation mit Covid19 wie die Faust aufs Auge. „Do You Wanna Die“ ist in Sachen Tempo einen Gang schneller, bietet Gangshouts und bleibt im Kopf. Pessimistisch und düster erlebe ich „The Storm“ und das anschließende „Someone?“ ist eine gefühlvolle Ballade. Brauchen wir nicht alle jemanden, der einfach unsere Hand hält, auch wenn wir grundlos weinen? Oder jemanden, der vor der dunklen Seite in uns keine Angst hat? Mit „Forced Hands“ geht’s aber wieder mit mehr Tempo zur Sache wie auch in „Meat Vulgarity“ und das eher ruhige „Everything Will Be Worse In The Morning“ wartet wieder mit einem Ohrwurm-Refrain auf.

„I Should Be Better“
und „Unfound In Darkness“ setzen die schwarzseherischen Songs fort und mit
„Hope This Is A Coma“
erreichen wir das Finale einer Scheibe die man getrost als Soundtrack dieser Pandemie einsetzen könnte. Wer hofft denn derzeit nicht, dass dies alles nur ein Traum ist?

Das Metal and Me Fazit:

Eine Scheibe mit vielen Facetten, geschaffen von „The Dogs“ aus Norwegen.  Von zynischen Songs über aggressivere und schnellere Tracks, die zum pogen einladen bis hin zu Balladen mit viel Gefühl oder bedrückenden Titeln, die sicherlich dieser Zeit gewidmet sind, haben die Skandinavier trotz aller Widrigkeiten ein denkwürdiges Album produziert. Woran es genau liegt, dass PMPOL so klingt wie es klingt und die Texte so sind wie sie sind, ist ein Rezept, welches sich zusammensetzt, aus: „rosa Dildo“, „Isolation und Homeoffice“, „Times New Roman 12“ und dass die Jungs tatsächlich besser geworden sind. Was das mit dem Rezept angeht und wie es sich zusammensetzt, lest ihr weiter unten!

4 von 5 Pommesgabeln
4 von 5 Pommesgabeln

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Tracks “Post Mortem Portraits of Loneliness”:

01. Who’s Not Doing Great || 03:13 Minuten
02. Do You Wanna || 02:35 Minuten
03. The Storm || 03:36 Minuten
04. Someone? || 03:32 Minuten
05. Forced Hands || 03:09 Minuten
06. Meat Vulgarity || 03:27 Minuten
07. Everything Will Be Worse In The Morning || 03:48 Minuten
08. I Should Be Better || 03:13 Minuten
09. Unfound In Darkness || 02:27 Minuten
10. Hope This Is A Coma || 04:11 Minuten

Kristopher Schau | Gesang
Mads Martinsen | Gitarre, Gesang
Roar Nilsen | Bass, Gesang
Stefan Höglin |Orgel, Gesang
Henri Gustavsen |Drums, Gesang
Kenneth Simonsen |Percussion, Mundharmonika, Gesang

Foto Credit: L-P Lorentz

*Die lange Version (nur für die, die ein besonderes Interesse haben):

„Der Plan, damals im Januar, als wir “Crossmaker” veröffentlichten, war, dass wir das ganze Geld, das wir auf der Clubtour und im Festivalsommer verdient haben, in das nächste Album stecken würden. Zum ersten Mal in all den Jahren glaubten wir, dass wir genug Geld haben würden, um wirklich so etwas wie einen Volltreffer landen zu können. Wir kontaktierten den Schweden “Chips K”, der Hellacopters, Nomads und generell alles, was perfekt klingt, produziert hat und begannen, Demos über die Grenze nach Schweden zu schicken. Er war zu 100% an Bord und die Studios in Stockholm und Göteborg wurden für April gebucht. Alles war großartig. Dann kam der März. Covid 19 (im Folgenden der besseren Lesbarkeit halber als “pinker Dildo” bezeichnet) warf all diese Pläne mit Nachdruck in die Tonne. Nicht nur, dass wir kein Geld oder Merch-Einnahmen aus den großen Städten auf der Tourliste wie Oslo, Bergen oder Trondheim bekamen, da alle Gigs abgesagt wurden, auch die goldene Gans selbst, der Festivalsommer, löste sich in Rauch auf. Mit anderen Worten, wir hatten keine Dieter Bolan-große Badewanne voller Geld, in der wir Dagobert Duck spielen konnten.

Und die Dinge wurden schnell viel schlimmer. Die Grenze wurde geschlossen und Chips bekam den rosa Dildo. Nichtsdestotrotz blieben die Fristen seitens der Behörden eng und als sich die Dinge ein wenig zu öffnen begannen, entschieden wir uns, uns an die Hoffnung zu klammern. Es gab keinen Grund, die Demos nicht weiter per Mail mit Chips (im Folgenden als “unser Retter Jesus Christus, Sohn eines Zimmermanns” bezeichnet) zu entwickeln. Schließlich waren es 18 Demos, und unser Retter Jesus Christus, Sohn eines Zimmermanns, war durchgehend involviert, aber der arschfickende, bastardhafte rosa Dildo wollte nicht aufhören, also flogen die Monate vorbei und plötzlich war es Oktober und wir hatten kein Album für 2021.

Gott sei Dank waren die anderen Mitglieder der Band nicht so glücklich darüber, aufzugeben, wie ich es war, also warfen sie ein provisorisches Setup im Proberaum zusammen (im Folgenden als “The Colon” bezeichnet) und zogen Anders Nordengen (im Folgenden als “Times New Roman 12” bezeichnet) hinzu, der wohl der beste Tontechniker ist, der heute arbeitet. Unser Retter Jesus Christus, Sohn eines Zimmermanns, wurde darüber informiert, dass wir das Programm in Schweden bis zum Ende von Pink Dildo verschoben hatten und wurde gebeten, aus den 18 Demos, an denen wir gearbeitet hatten, Songs für das 2022er Album auszuwählen. Amüsanterweise entschied er sich dafür, 6 unserer Lieblinge NICHT aufzunehmen. Perfekt! In diesem Fall konnte Times New Roman 12 unsere Favoriten plus 4 weitere bekommen. Das Ergebnis war, zumindest aus unserer Sicht, äußerst überraschend. Die Schlussfolgerung war offensichtlich: Bands brauchen keine Studios mehr! Durch die Nase zahlen für einen blödsinnig teuren Raum mit Furzbox-Luft, wenn wir alle schon selbst Miete für eine billigere Variante zahlen (aka The Colon)? Sollte es eine Volksabstimmung zu dem Thema geben, wird es zumindest von uns ein “Nein” in der Wahlurne geben.

Wir klingen in The Colon frischer und härter als je zuvor. Vielleicht ist es der rosa Dildo, der das bewirkt hat – vielleicht hat die Isolation und das Gejammer im Homeoffice dort unten ihr natürliches Ventil gefunden? Vielleicht liegt es an den frischen Ohren und Instinkten von Times New Roman 12? Oder vielleicht sind wir einfach besser darin geworden, Songs zu machen? Es könnte alles drei sein. Wie auch immer, es ist eine neue Platte. Und, lieber Kritiker (im Folgenden als “jemand, der an einer Essstörung leidet” bezeichnet), ich weiß, dass Sie viel über den rosa Dildo in das Cover, den Albumtitel und die Texte hineinlesen wollen. Nun, scheiß drauf. Du könntest 100 zufällige Referenzen finden. Genauso wie Sie 100 Gründe finden könnten, warum Sie jemand geworden sind, der unter einer Essstörung leidet.

Und an die seriösen, investigativen Kulturjournalisten, an die Branchen-Kommentarfelder von Facebook, an die meinungsstarken Beobachter und all das “coole” Zeug; wir haben Fördergelder vom norwegischen Staat erhalten! Etwa 500.000 Kronen. Jetzt müssen Sie die Zahlen nicht mehr nachschlagen. Gott sei Dank kam es so spät, dass wir bereits Times New Roman 12 im The Colon gebucht hatten. Jetzt werden wir es uns fast leisten können, mit unserem Erlöser Jesus Christus, Sohn eines Zimmermanns im Jahr 2022 ins Studio zu gehen, wenn es soweit ist.“