“Sirius Curse im Interview”

Bandlogo

“Sirius Curse” sind eine Heavy Metal Band aus Rottweil in Baden-Württemberg. Die Fünfer-Combo veröffentlicht am 15.03.2021 ihre Debüt-EP “Time Knows No Lies”. Ich durfte Frontmann Peter meine Fragen schicken und habe mich sehr darüber gefreut, dass er zugesagt hat.

Metal and Me – Tobi

Sirius Curse – Peter


Hallo Jungs. Mein Name ist Tobi. Danke, dass ihr euch die Zeit für ein paar Fragen von mir nehmt. Ich betreibe eine Facebookseite und einen Webblog. Auf diesen Seiten poste ich Reviews aktueller Alben, Interviews, Bandvorstellungen und Berichte über Konzerte, welche ich mit dem Rollstuhl besuche. Zum einen um anderen Rollifahrern zu berichten wie der Veranstaltungsort in puncto Barrierefreiheit ausgestattet sind und zum anderen wie man am besten vorgeht um Tickets zu bekommen, denn meist geht das bei herkömmlichen Ticketportalen nicht. Natürlich bewerte ich auch den Auftritt der Bands. Heute habe ich ein paar Fragen an euch u.a. zur EP „Time Knows No Lies“.

Als erste Frage jedoch: Wie geht’s euch derzeit?

Lieber Tobias, wir kehren die Frage zuvor um. Wie geht es Dir denn überhaupt? Als Mensch mit Handicap bringen die derzeitigen Einschränkungen doch sicher auch Probleme mit sich, die im Alltag womöglich nicht ganz einfach zu bewältigen sind.

Lieber Peter, danke für die Nachfrage. Mir geht es derzeit gut. Die derzeitige Situation ist ja für uns alle blöd und besonders fehlt das gemeinsame Erleben von Kultur und Freizeit. Doch Aufgeben ist nicht drin! 🙂

Aber zu Deiner Frage an sich. Wie Du unserem Promosheet sicher entnehmen konntest, sind wir, bis auf Simon, ja allesamt schon etwas älter und Familienväter. Bislang, und wir hoffen, dass das auch so bleibt, sind wir von einer Corona-Infektion verschont geblieben. Auch darüber hinaus gibt es derzeit keine Ereignisse in, als auch im Umfeld der Band, die einem Sorgen bereiten müssten. Wir sind gesund und das ist das Wichtigste. Hinsichtlich der Kontaktbeschränkungen ist es natürlich so, dass wir seit einigen Monaten nun nicht mehr zusammenkommen können. Die wöchentliche Probe und das Miteinander fehlt uns schon sehr.

Musikmachen war und ist für uns sehr wichtig. Seiner Kreativität freien Lauf zu lassen und einfach mal abschalten zu können, das sind für uns als Band und auch als Menschen die Dinge im Leben, die man außerhalb der Familie einfach braucht, um Zufriedenheit und Glück erleben zu dürfen. Gleiches gilt auch für Auftritte, die seit langer Zeit nicht mehr möglich sind. Wenngleich wir im Jahr 2020 noch das große Glück hatten, zuletzt im September ein Open-Air mit Mystic Prophecy in Oberndorf am Neckar spielen zu dürfen.

Wie würdet ihr eure Band jemandem beschreiben, der euch noch nicht kennt?

Sirius Curse ist eine Band, die eigentlich punktgenau dem Überbegriff bzw. dem Genre Heavy Metal zuzuordnen ist. Unsere Musik dürfte deshalb beinahe schon als Old School bezeichnet werden. Das Spektrum im Metal ist zwischenzeitlich so breit definiert, dass man sich mit einer eher klassischen Ausrichtung, so wie wir diese praktizieren, fast schon vom Gros abhebt. Hier und da kann man in unseren Arrangements dezente progressive Strukturen hören, welche allerdings nicht zu dominant sind, dennoch aber auflockernd bzw. interessant wirken. Die Songs von Sirius Curse sind durchweg melodisch, bergen eine bestimmte Härte in sich und lassen dem Hörer, so denke ich zumindest, den nötigen Spielraum, sich darin wieder zu finden oder eben auch nicht.

Was dürfen wir von eurer bald erscheinenden EP erwarten?

Abgesehen vom Intro, bieten die sieben Songs vor allem Abwechslung auf. Unsere Musik ist von der Rhythmik her sehr auf die Gitarren und den damit verbundenen Groove fokussiert. Frank und auch Andy spielen ein sehr sauberes Staccato, was in Songs wie „Loud“, „No Tomorrow“ oder auch bei „The Sense“ die wichtigsten Komponenten darstellt. Ich selbst sage oft, dass dies jene Songs sind, die locker ohne Gesang auskommen könnten. Nehmen wir dann „Crucified“ zum Beispiel, geht dieser Song seine eigenen Wege und weicht auch vom Gesamteindruck der EP deutlich ab. Hier stehen die Harmonie und Melodie wesentlich deutlicher im Vordergrund als bei den anderen Tracks. „Relax (It’s War)“ erscheint mir persönlich als der kompromissloseste Song auf der EP. Seine Songstruktur ist schlicht, scheinbar einfach strukturiert, hat etwas Mystik und dennoch geht er voll auf die Zwölf. „Bondage“ wirkt zunehmend komplex und vereint eine nackenbrechende Rhythmik mit abermals viel Melodie. Der Titeltrack „Time Knows No Lies“ ist unser jüngster Titel. Darin, so sehen wir das zumindest, ist eine Weiterentwicklung im Songwriting zu hören. Nun, die EP sollte dem Hörer Abwechslung und gleichermaßen eine genrebezogene strukturelle Sicherheit in den Songs bieten. Wir wagen keinerlei Experimente oder weichen in andere Genres ab, verzichten auf technische Gimmicks, wollen einfach nur schlichten, nachvollziehbaren und guten Heavy Metal auf die Bretter bringen.

„Loud“ war mein erster Track, den ich von euch gehört habe und der gefiel super. Warum habt ihr ihn ausgewählt zum Auskoppeln?

Ja, darüber hatten wir einige konstruktive Diskussionen. „Loud“ wohl deshalb, weil er unvermittelt sofort auf 100 geht. Seine Rhythmik und Groove nehmen dich sofort mit. Zudem hat er mit einer Spielzeit von knapp über vier Minuten keine Überlänge.

„Relax (It´s War)“ und „The Sense“ sind momentan meine persönlichen Favoriten auf der Platte. Erzählt ihr mir und den Lesern ein bisschen was über die Songs?

Hierzu ist grundlegend zu sagen, und das ist für den Leser womöglich auch wichtig zu wissen, dass Frank die musikalischen Grundstrukturen bei sich Zuhause im Homestudio weitgehend vorbereitet hatte. Die Gitarrenharmonien entspringen somit überwiegend seinen Ideen. Die Technik heutzutage ermöglicht einem in diesem Zusammenhang Vieles. Auf Grundlage dieser Vorarbeiten hatte ich die Texte und die Strophen- sowie Refrainmelodien entwickelt. Bass und Drums fanden danach ihre Ergänzungen. Zur Spielreife zusammengeschustert hatten wir die Lieder dann schlussendlich alle zusammen im Proberaum. Bei „Relax“, der eigentlich unser erster eigener Song überhaupt war, spielt das einleitende Intro eine tragende Rolle. Im Ausgang des Intros zum Übergang in den Hauptteil vermittelt „Relax“ eine unüberhörbare Aufbruchstimmung, die sich vor allem im Tempo des Songs auszeichnet.

Mir persönlich gefallen die synchronen Soli von Frank und Andy hier sehr gut. Die Bestimmtheit des Refrains und die Botschaft ist gleichermaßen direkt, wie auch provozierend. Wie bereits erwähnt, zeichnet „Relax“ seine Kompromisslosigkeit aus. Bei der Entstehung von „The Sense“ hingegen brauchten wir viel viel Zeit. Es gab kaum einen anderen Song, der derart oft seine Identität bzw. sein Gesicht gewechselt hat. „The Sense“ hat uns in der Tat sehr lange beschäftigt, es ging teilweise so weit, sich von dieser Idee gänzlich zu verabschieden. „The Sense“ weist eine sehr komplexe, fast schon progressive Songstruktur auf, deren Übergänge von Strophe in den Refrain und auch in den Mittelteil homogen sein mussten, ganz abgesehen von den instrumentellen Parts des Songs. Daran hatten wir lange zu beißen. Am Ende aber ist „The Sense“ ein Song geworden, an dem wir vor allem live unsere helle Freude haben. Und um eine weitere Deiner Frage gleich zu beantworten, „The Sense“ ist einer unserer Favoriten.

Photo by Uli Schneider

Gibt’s denn Anekdoten aus der Zeit, in der „Time Knows No Lies“ entstanden ist und wollt ihr sie mit uns teilen?

Eigentlich ist unsere ganze Bandgeschichte seit 2014 eine Anekdote (lach). Im Nachgang zu den Aufnahmen betrachtet, wäre es jedoch besser gewesen, wir hätten uns des Öfteren mal selbst in den Hintern getreten. 2 ½ Jahre für eine EP-Produktion zu brauchen, sucht sicher seinesgleichen. Aber auch dafür gibt es eine Erklärung. Sirius Curse hatte für sich von Beginn nie das Ziel ausgegeben, späten Weltruhm zu erreichen, unzählige Tonträger zu veröffentlichen und auf zahlreiche Welttouren zu gehen. Unser Grundprinzip lag darin, mit guten Freunden gute Musik zu machen und vielleicht auch mal live zu spielen. Letzteres hatte unser Umfeld dann allerdings relativ schnell mitbekommen und so bekamen wir einige Anfragen, auch sonstige Konzerte zu spielen. Gesagt getan, die Resonanzen waren durchaus positiv. Man ist fast geneigt zu sagen, das war wie ein Selbstläufer. (??) Wir selbst waren zu jener Zeit oft überrascht, wie man uns buchen wollte, ohne dass man irgendetwas von uns hören konnte. Muss neben diversen Livemitschnitten dann wohl die Mundpropaganda gewesen sein. Ich denke aber, der Opener-Slot im August 2017 auf dem zwischenzeitlich national etablierten Festival „Metalacker“ in Tennenbronn gab der ganzen Sache eine elementare Wendung.

Auch die steten Fragen der Konzertbesucher, ob man eine CD von uns kaufen könne, brachten das Thema CD schlussendlich auf den Plan. Ging dann nicht mehr anders. Wenn man uns hier einen Fehler unterstellen mag, den wir selbst zwischenzeitlich auch so sehen, liegt er in der Tatsache, dass wir uns nicht von vornherein für ca. 10 Tage in ein Studio eingebucht hatten. So wären wir auf Teufel komm raus gezwungen gewesen, innerhalb dieses Zeitraumes die EP fertigzustellen. Aber, es kam anders. Mit Hilfe unseres Freundes Blacky, der selbst ein Tonstudio besitzt, klügelten wir einen Plan aus, der es uns ermöglichte, die Aufnahmen überwiegend in Eigenregie zu realisieren. Manko allerdings war, es gab niemanden, der uns von außen die Pistole auf die Brust setzte. Man könnte fast meinen, es sei uns nicht so wichtig gewesen, das stimmt so allerdings nicht. Wir alle sind keine Profimusiker und zu 100% stehen im Beruf und in der Familie, so dass Zeit nicht immer ausreichend zur Verfügung stand, wie es notwendig gewesen wäre.

Wir ließen uns deshalb selbst an der langen Leine. Das wäre im Studio selbstredend anders gewesen. Abschließend aber war es auch eine sehr bereichernde Erfahrung. Und es ist ja auch nicht so, dass wir über 2 ½ Jahr jeden Tag aufgenommen hätten. Am Ende wurden die viele Zeit, die wir gebraucht haben, sinnvoll in die Aufnahmen investiert. Gut Ding will eben Weile haben. Und da wir keinem Label oder einer Vertriebsfirma in Rechenschaft stehen, hatten wir die Zügel in der Hand. Die Pandemie hat den gesamten Prozess dann aber auch noch verzögert. Nun ist die EP fertig, wird am 15.03.2021 veröffentlicht und wir sind sehr froh darüber, das Kind endlich in die Wiege gelegt zu haben.

 Welcher der Songs ist euer Favorit?

Du hast sieben Kinder, welches ist dein Liebstes? Spaß beiseite. Für mich gesprochen sind dies „The Sense“, „Time Knows No Lies“ und „No Tomorrow“.

Wird es weitere Auskopplungen via YouTube geben.

Da sind wir uns noch nicht ganz schlüssig, denn eine weitere Auskopplung sollte dem Anspruch einer Videoauskopplung auf YouTube auch gerecht werden. „Loud“ erfüllt zwar irgendwie seinen Zweck, aber es ist eben kein Video. Es ist ein Bild mit Botschaft und dahinter die Musik. Sollte es so kommen, so wollen wir tatsächlich bewegte Bilder präsentieren, sodass der YouTube User neben der Musik auch etwas Schönes zu sehen bekommt. Dies wiederum ist immer mit hohen Kosten verbunden. Wir werden sehen.

Welche Künstler inspirieren euch am meisten bei der Arbeit an euren Songs?

Wenn Du mich fragst, dann sind dies meine gesanglichen Vorbilder aus alten Tagen. Ronnie James Dio, Bruce Dickinson, Geoff Tate und auch Michael Kiske, um nur wenige zu nennen. Von Frank weiß ich, dass er da sehr vielschichtig unterwegs ist. Jeff Waters, Eddie van Halen, George Lynch, Gary Moore, Kirk Hammett. Und sicher noch weitere Virtuosen. Bei Andy spielt Ritchie Blackmoore eine große Rolle und sicher viele weitere mehr. Dominikus hingegen kam ja von der Gitarre zum Bass, bei ihm, so wie ich weiß, sind die Herren Robert Trujillo, Billy Sheehan und John Myung ganz weit vorne. Simon ist absoluter Fan von Mike Portnoy, Mike Mangini und auch von Nicko McBrain. Aber lege mich da bitte nicht zu 100% fest, die Jungs könnten das sicher besser ergänzen.

Wie wichtig ist es euch während dieser Zeit über Social Media mit euren Fans und Hörern in Kontakt zu bleiben und zu erfahren, wie so die Stimmung ist.

Ganz ehrlich? Die Social-Media-Kanäle sind vor allem gegenwärtig die einzige Möglichkeit, überhaupt in Kontakt zu bleiben. Aber auch vor der Pandemie war es schon sehr wichtig, diese Medien zu nutzen. Wir geben uns da Mühe, Facebook und Instagram regelmäßig zu bespielen. Ob es sich wirklich dazu eignet, die Stimmungen der Menschen lupenrein zu erfassen, da bin ich eher skeptisch. Aber es sind heutzutage notwendige Medien, um die Leute zumindest zu erreichen und darüber hinaus zu erfahren, wie deren Resonanzen und Wünsche an uns sind.

Wie sehr hat es euch die Pandemie eingeschränkt bei der Arbeit an der EP und allem was dazugehört?

Wie bereits erwähnt, war der Aufnahmeprozess seit März vergangenen Jahres sehr behindert. Erst der erste lange Lockdown März und April und zuletzt vor allem der zweite Lockdown ab November/Dezember. Hier stand Mischen und Mastern im Zentrum des Geschehens und dies hätten wir gerne alle zusammen mit Blacky im Studio gemacht. Das war aber wegen der Kontaktbeschränkungen schlicht nicht möglich. Die Jungs hatten dann mich dazu auserkoren, diesen Prozess mit Blacky fertigzustellen. Zuvor hatten alle die roh gemixten Aufnahmen auf Herz und Nieren geprüft, Änderungen und Wünsche eingegeben und dann gingen Blacky und ich ans Werk. Das war sehr zeitraubend und intensiv und schlussendlich lag eine recht hohe Verantwortung auf uns beiden. Nun, wir haben es alle miteinander hinbekommen und ich denke, man kann zufrieden sein.

Welche Bands hört ihr gerne in eurer Freizeit?

Oh, das ist eine fast nicht zu beantwortende Frage. Lass mich versuchen einige Bands zu nennen, von denen ich weiß, dass sie den Nerv von uns allen treffen. Dream Theater, Helloween, Iron Maiden, Five Finger Death Punch, Sons Of Apollo, Queensrÿche, Judas Priest, Fates Warning, Flotsam & Jetsam, Metal Church und und und

Wenn ihr jetzt ein Konzert besuchen dürftet, zu welchem Künstler würdet ihr gehen?

Ich persönlich habe da noch so einige Tickets, deren Termine verschoben wurden. Zu nennen wäre das Keep It True Festival, Iron Maiden, Geoff Tate, Helloween, Behemoth und so weiter.

Mal ein wenig weg von der Musik. Wie schaut’s aus mit Hobbys? Fußball? Zocken?

Der Grat zwischen Hobby und Passion ist bisweilen schmal. In Rottweil leben wir in einer Narrenhochburg und die Rottweiler Fasnet ist für viele von uns weit mehr als nur Tradition. Ich selbst bin begeisterter Angler, diese Leidenschaft führt mich beinahe jährlich nach Spanien. Simon zum Beispiel ist mit Haut und Haaren dem Rugby verfallen. Ansonsten stehen bei uns natürlich die Beziehung und die Familie im Vordergrund, darum dreht sich vieles in unserem Leben.

Zum Schluss ein paar Sätze von euch an die Metalheads da draußen.

Durchhalten, einfach nur durchhalten. Es wird wieder bessere Zeiten geben und wir alle miteinander müssen da jetzt durch. Und Leute, bitte unterstützt vor allem die kleinen Bands und kauft deren Musik und Merch. Ohne den Underground gäbe es auch keine großen Bands, alle haben mal so angefangen. Seid nett zueinander und geht respektvoll miteinander um. Das ist eine der großen positiven Eigenschaften der Metalfamilie. Und bleibt vor allem gesund!

Danke für das Interview. Etwas, das mir wichtig ist: Bleibt gesund und viel Erfolg mit der EP!

Auf der Homepage von “Sirius Curse” findet ihr weitere Infos über die Band und auch wie ihr an die EP kommen könnt!

EP Cover