“Saltatio Mortis: Alea im Interview”

Cover
“Für immer frei”

Am 09.10.2020 kam das lang ersehnte neue Album “Für immer frei” in die Plattenläden. Mit großen Erwartungen scharrten viele Fans mit den Hufen und konnten es kaum erwarten, ihr Exemplar in den Händen zu halten und die neuen Lieder ihrer Spielmänner zu hören. Das schlug sich auch in den Charts nieder, wo das Album hochverdient auf #1 landete. Das Review von “Metal and Me” könnt ihr hier nachlesen.

Wir hatten die Gelegenheit mit “Saltatio Mortis” ein Interview zu führen und Alea, der Bescheidene, kam diesem Wunsch nach. Viel Spaß beim lesen!

„Metal and Me“:
Hallo Totentänzer. Mein Name ist Tobi. Ich betreibe eine Facebookseite und einen Webblog. Auf diesen Seite poste ich Reviews aktueller Alben, Interviews, Bandvorstellungen und Berichte über Konzerte, welche ich mit dem Rollstuhl besuche. Zum einen um anderen Rollifahrern zu berichten wie der Veranstaltungsort in puncto Barrierefreiheit ausgestattet und zum anderen wie man am besten vorgeht um Tickets zu bekommen, den meist geht das bei herkömmlichen Ticketportalen nicht. Natürlich bewerte ich auch den Auftritt der Bands. Heute habe ich ein paar Fragen an euch u.a. zum neuen Album „Für immer frei“. Als erstes möchte ich euch aber zu einem gelungenen Album und der hervorragenden Chartplatzierung gratulieren.

Am 09.10.2020 kam „Für immer frei“ auf den Markt. Am 16.10.2020 dann die Meldung, dass ihr zum vierten (!) Mal in Folge auf #1 gechartet seid. Ihr müsst vor Stolz und Freude platzen. Es ist ja auch ein riesen „Liebesbeweis“ eurer Fans. Wie geht’s euch beim Gedanken daran?

„Alea“:
Hallo Tobi, Dankeschön, dass du fragst!

Der Gedanke, wie sehr uns unsere Fans gerade in dieser wirklich verrückten Zeit unterstützen, ist, was mich am meisten mit Freude erfüllt. Ich hätte nicht gedacht, dass es möglich ist, ohne jegliche Auftritte eine so hohe Chartplatzierung zu erreichen. Ansonsten ist alles sehr unwirklich. Mir fehlt es so sehr, einen solchen Erfolg ausgiebig mit unseren Fans und mit der Band zu feiern. Bisher standen wir immer direkt nach der Veröffentlichung der Charts auf der Bühne und sind dann gemeinsam durchgedreht, sobald wir die Ergebnisse erfuhren. Dieses Jahr fehlt das komplett.

„Metal and Me“:
Wie wichtig war es euch, während der zurückliegenden Monate über Social Media mit euren Fans in Kontakt zu bleiben und zu erfahren, wie so die Stimmung ist im Lager der Fans?

„Alea“:
Das war uns sehr wichtig. Wie oben schon beschrieben fehlt uns der direkte Kontakt zu den Menschen, die uns unterstützen. Ich vermisse es so sehr, das Leuchten in den Augen unserer Konzertgäste zu sehen. Social Media ist sicher kein Ersatz für dieses wirkliche Erleben, aber es ist zumindest ein Trost, und ich persönlich freue mich sehr über diese Möglichkeit.

„Metal and Me“:
Wie seid ihr als Band mit den Einschränkungen umgegangen vom Frühjahr/Sommer? Wie sehr hat es euch eingeschränkt im Arbeitsleben? Ganz abgesehen davon, dass keine Konzerte möglich waren und zum Teil noch nicht möglich sind.

„Alea“:
Hier wirst du wahrscheinlich von acht Menschen acht verschiedene Meinungen hören. Bei mir war es einfach so, dass durch meinen Unfall das komplette Frühjahr einfach nicht existent war. Ich hab den Lockdown, die wirklichen Einschränkungen usw. nur im Fernsehen oder online verfolgt. Mein gesamter Bewegungsradius bestand aus Wohnzimmer, Taxi und Reha-Einrichtung. Ohne meine engsten Freunde hätte ich nicht mal die Einkäufe erledigt bekommen. An dieser Stelle möchte ich dieser kleinen Gruppe von Menschen für alles danken, was sie in dieser Zeit für mich gemacht haben.

Der Sommer war dann schon besser. Ich konnte mich wieder bewegen, spazieren gehen und fühlte mich kaum eingeschränkt. Trotz strikter Einhaltung von Regeln und Hygienevorschriften war es einfach wieder schön, so viele Möglichkeiten zu haben. Für mich war es von Null auf Hundert, also kam ich gut klar. Das Einzige, was mir wirklich gefehlt hat, waren die gemeinsamen Proben und die Auftritte.

„Metal and Me“:
Habt ihr vielleicht ein Stream-Konzert in naher Zukunft vor oder wollt ihr die neuen Songs aufbewahren, bis wieder „richtig“ live gespielt werden kann.

„Alea“:
Puh, dass ist wirklich schwer zu beantworten. Ich selbst tu mir mit den Streaming-Konzerten ein bisschen schwer. Irgendwie ist es wie alkoholfreies Bier. Es gibt nur ganz wenige, die wirklich gut sind und wenn du dann mal wieder an einem echten Pils nippst, stellst du fest: Das andere war halt nicht so richtig geil.

Leider bin ich nicht gerade optimistisch, was das kommende Jahr angeht. Wer weiß wann wir wieder die Möglichkeit haben werden, fette Konzerte in echt zu erleben – und mit jedem verstreichenden Monat scharre ich mehr mit den Füßen. Da wird die Idee, mal ein alkoholfreies  – äh, virtuelles – Konzert zu machen, immer verlockender.

„Metal and Me“:
Welches Lied ist euer Favorit auf „Für immer frei“? Bei mir liegt „Loki“ stark vorne, dicht gefolgt von „Seitdem du weg bist“.

„Alea“:
Es ist sehr schwer, einen Favoriten zu wählen. Auch hier gibt es in der Band sicher acht verschiedene Meinungen. Bei mir sind es aktuell „Loki“, „Mittelfinger Richtung Zukunft“ und „Geboren um frei zu sein“. Aber „Seitdem du weg bist“ hat für mich als Star Wars Fan natürlich einen ganz besonderen Status.

„Metal and Me“:
Wenn ich Songs wie „Geboren um frei zu sein“ oder „Für immer jung“ höre, werde ich schnell sentimental. Wie geht es einem, wenn man diese Lieder zum ersten Mal live performt.

„Alea“:
Frag mich das bitte, wenn wir es endlich live performen durften. Bisher habe ich die Songs nur zweimal im Proberaum und dann im Studio singen können, und das ist wirklich nicht vergleichbar mit den Emotionen bei  einem Konzert. Aber besonders „Geboren um frei zu sein“ ist auch für mich jedes Mal mit Freudentränchen verbunden.

„Metal and Me“:
Werdet ihr die eingeschlagene musikalische Richtung beibehalten oder auch wieder ein Album oder ne EP mit Musik im Stil von z.B. „Sturm aufs Paradies“ oder „Wer Wind saet“ machen? Oder empfindet ihr das als Schritt zurück?

„Alea“:
Keine Ahnung, wir setzen uns ja nicht hin und sagen „Heute machen wir einen Song in diese oder jene Richtung!“. Es entsteht aus unserer jeweiligen Tagesform und unserem Gefühl beim Schreiben und Komponieren. Wir machen einfach immer genau die Musik, die bei uns von Herzen kommt. Der Stil ist dabei völlig egal. Solange es aus uns entsteht, ist es zu hundert Prozent Saltatio Mortis.

„Metal and Me“:
Ist für euch Musik auch ein Mittel, um in dieser hektischen Welt öfter mal alles abzuschalten, innezuhalten und einfach nur runterzukommen?

„Alea“:
Auch diese Antwort müsste dir eigentlich jeder Einzelne von uns selbst beantworten. In meinem Alltag ist Musik mein ständiger Begleiter. Jede Stimmung hat ihre eigene Musikrichtung, und die Genres, die ich höre, erstrecken sich von Klassik über Folk bis hin zum härtesten Metal. Zum Entspannen ist z.B. Swing auch richtig geil.

„Metal and Me“:
Ein paar Worte an die Fans, die es bestimmt nicht erwarten können, ihre Spielmänner wieder live zu sehen.

„Alea“:
Ein paar Worte wird schwierig. Es gibt so vieles, was ich gerne sagen möchte. Ich versuche es mal so zusammenzufassen:

Vielen Dank für die Hilfe und die Unterstützung in diesem harten Jahr.

Dankeschön, dass ihr bei uns seid und unseren Weg mitgeht. Wir leben getreu dem Motto „Wild und Frei“ –  und da ist es auch klar, dass sich unsere Musik nur an unserem eigenen Willen und unseren Gefühlen orientiert. Es ist wunderschön zu sehen, dass Ihr diese Stimmungsschwankungen und stilistischen Achterbahnfahrten mit uns feiert. Das gibt uns nämlich den Mut, auch in Zukunft stets FÜR IMMER FREI zu sein.

Danke, dass es euch gibt! Passt auf einander auf, helft euch gegenseitig durch dieses verrückte Jahr und lasst euch nicht von irgendwelchen Verschwörungstheoretikern wahnsinnig machen. Wenn wir alle zusammenhalten und keine Scheiße bauen, können wir schon bald wieder zusammen feiern.
Alles Gute und bitte bleibt gesund.

Euer Alea und Saltatio Mortis.

„Metal and Me“:
Danke für das Interview. Etwas, das mir wichtig ist: Bitte richtet den frischgebackenen Eltern meine Glückwünsche aus. Bleibt gesund und weiterhin viel Erfolg mit dem Album!

„Alea“:
Vielen lieben Dank für deine Mühe.
Alles Gute und viel Licht.

Alea | Vocals
Lasterbalk |  Schlagzeug, Davul, Percussion
Falk | Drehleier, Dudelsack, Schalmei, Nyckelharpa, Flöte, Whistle, Diatonisches Akkordeon
Elsi | Dudelsäcke, Schalmeien, Hümmelchen, Smallpipes, Highland Pipes, Uilleann Pipes, Flöte, Low-Whistle
Frank | E-Bass, Fretless Bass, Chapman Stick, elektrischer Kontrabass, Gitarre, Klavier, Keyboard, Ukulele
Till | Gitarre, Bouzouki, Gesang
Jean | Schlagzeug, Percussion, Klavier, Gitarre, Stimme
Luzi | Dudelsäcke, Schalmeien, Bouzouki, Whistle

Photo by: GABO
Cover by: Universal