Leaves’ Eyes – Live in Weinheim

Leaves’ Eyes – Sign of the Dragonhead
Tour 2018 – Café Central – 04.05.2018

Wikinger-Metal in Weinheim

Durch Zufall erfuhr ich, dass Leaves‘ Eyes auf ihrer Tour zum Album „Sign of the Dragonhead“ in Weinheim halt machten. Dort traten sie, mit „Almanac“ und „Mayan“ als Support, im Café Central auf. Ich erkundigte mich nach Tickets und nach der Barrierefreiheit der Location und stieß auf ein Problem. Der Raum, in dem die Bands auftraten, war im ersten Stock und es gab nur eine Treppe, keinen Fahrstuhl. Warum ich trotzdem ein Ticket gekauft habe und mit meinem Vater und ein paar Freunden zum Konzert bin, erzähle ich euch hier im Artikel, aber eins nach dem anderen.

Das Ticket und ein stufiges Problem

Ich konnte mir ein Ticket über den normalen Vorverkauf besorgen, da es keine speziellen Rollitickets gab. Wie jedes Mal galt die Karte für mich und meine Begleitperson. Man hat mich nochmal darauf hingewiesen das es keinen barrierefreien Zugang gibt. Nun ist es so, dass ich noch in der Lage bin kurze Wege zu gehen, zwar mit Hilfsmitteln, aber es ging. Zu diesem Zeitpunkt war ich auch noch nicht lange auf den ♿ angewiesen. Wir fuhren also am Konzerttag die ca. 40km nach Weinheim. Parken war übrigens kein Problem, denn um diese Zeit war in Weinheim nicht mehr viel los. Es waren ca. 300 Meter vom Parkplatz bis zur Location und dort trafen wir uns mit zwei Freunden vorm Café Central.

With a little Help from my Father and my Friends

Wir musterten den Eingang und mein Vater sah sich die Treppe und den ersten Stock an. Er kam zu uns zurück und sagte das wir das mit vereinten Kräften schaffen und es nicht so viele Stufen sind. Wir gingen also zum Eingang. Andere Metalheads sahen uns da stehen und boten sofort ihre Hilfe an. Sie wollten mich zusammen mit dem Rollstuhl die Treppe hinauf tragen. Aber da ich kein Leichtgewicht bin und der Rollstuhl auch nicht, lösten wir das anders. Ich stand aus dem Rolli auf und gestützt von unseren beiden Freunden schaffte ich Stufe für Stufe nach oben in den Konzertraum. Es war ein tolles Gefühl diesen kurzen Weg geschafft zu haben und trotz der Widrigkeiten bei der Veranstaltung dabei sein zu können. Außerdem will ich betonen, wie großartig unsere Metal-Community ist und jeder für den anderen da ist, wenn Hilfe gebraucht wird. 🤘🏻🤘🏻🤘🏻

Setzt die Segel

Von den Support-Gruppen habe ich so viel nicht mitbekommen, da wir uns unterhalten hatten, auch die Stellen die ich gehört habe sind einfach zu verschwommen um eine Bewertung abzugeben. Beim Headliner des Abends sieht das natürlich anders aus.

An der Wand hing eine große Fahne mit dem Cover der aktuellen Platte. Als Leaves’ Eyes die Bühne betraten war der kleine Raum ruckzuck gefüllt. Wenn ich grob schätzen müsste waren es ca. 250 Leute im Café Central. Eine unglaublich dichte und geile Atmosphäre. So nah kommst an eine so großartige Band nicht oft. Die Tour 2018 war zeitgleich die erste mit der neuen Frontfrau Elina Siirala. Die Band rund um Alexander Krull, Thorsten Bauer und Co. legten los und die Stimmung war sofort auf hohem Niveau. Die Nackenmuskulatur wurde beansprucht und der Bierausschank füllte ein Glas nach dem anderen.

Im Rollstuhl sah ich leider nicht allzuviel, da es in diesem kleinen Veranstaltungsraum kein Podest gab. Stattdessen konzentrierte ich mich auf die Musik und schaute mich im Raum um. Ich, als Sammler von Fussballschals, erblickte einen alten Schal von Liverpool an der Wand. Ein echt schönes Teil.

Zwischendurch ging ich mit meinem Vater raus ins Foyer um frische Luft zu schnappen, da es in dem kleinen Raum mit dem dichten Gedränge doch sehr warm wurde und trotz offenem Fenster ein wenig stickig war und wenn man weiter unten sitzt, zumindest fühle ich das so, bekommt man in Menschenansammlungen schlechter Luft.

„Tobi und die Wikinger“

Draußen war eine Horde Wikinger, welche sich auf ihren Auftritt vorbereiteten. Leaves’ Eyes hatten bei ihren Shows Rollenspieler eingeladen, die auch Showkämpfe auf der Bühne machten. Ich fragte die Nordmänner ob wir ein Foto machen könnten. Die ganze Gruppe war sofort bereit und drückten mir noch Schwert und Helm in die Hand! „Tobi und die Wikinger“ ⚔️🛡️

Als ich zurück in den Raum wollte, kam einer der Wikinger zu mir und erzählte mir, dass gleich das Finale ansteht und ich soll dafür doch ein Stück nach vorne damit ich es auch gut sehen kann. Er schob mich zu dem Eingang nahe der Bühne und bat die Fans für mich Platz zu machen. Auch hier wieder das Lob und Danke an die Leute, die dafür sorgen, dass man in ihrer Mitte sein kann und nicht Außen vor. Er versprach nicht zu viel. Alle beim Finale auf der Bühne war toll und man muss dabei gewesen sein um das zu verstehen.

Ab nach Hause – es war ein langer Tag

Als alle Bands gespielt hatten und wir uns wieder Richtung Treppe bewegten, sah ich Elina Siirala im Foyer. Ich bin immer ein wenig schüchtern wenn ich Bandmitglieder sehe, aber ich fragte sie trotzdem ob wir ein Bild zusammen machen können. Perfekter konnte der Abend nicht mehr werden.

Eine Hürde gab es jedoch noch zu nehmen. Ich musste die Treppe wieder runter. Müde vom langen Tag, 05:00 Uhr aufstehen, bis 12:00 Uhr außer Haus für 5h Dialyse und der lange Abend im Rollstuhl hatten Spuren hinterlassen. Gemeinsam schafften wir es trotzdem. Wir verabschiedeten uns von unseren Freunden und fuhren nach Hause. Erschöpft aber glücklich ging ich schlafen und bin meinen Helfern auf immer dankbar.

Setlist Leaves’Eyes:

01. Intro
02. Sign of the Dragonhead
03. Across the Sea
04. Take the Devil in Me
05. My Destiny
06. Swords in Rock
07. Jomsborg
08. Shadows in the Night
09. Farewell Proud Men
10. Like a Mountain
11. Hell to the Heavens
12. Riders on the Wind
13. Fires in the North
14. Edge of Steel
Zugabe:
16. Spirits’ Masquerade
17. Blazing Waters
18. Haraldskvaedi

Das Metal and Me Fazit:

Das Café Central in Weinheim ist nicht barrierefrei, da am Eingang Stufen und drinnen einige Treppenstufen zu bewältigen sind. Hat man jedoch Freunde und weitere freiwillige Helfer und kann vielleicht, wie ich, noch ein paar Schritte laufen, kommt man auch hier in den ersten Stock und somit in den Veranstaltungsraum. Dort ist jedoch kein Podest, da der Raum den Platz einfach nicht hergibt. Dafür kann man direkt vor die Bühne um „seine Band“ so nah wie nie zu erleben. In meinem Fall halte ich das dort nicht lange aus, da der Sound so verzerrt in meinen Ohren klingt (das hat mit den Ohren und NICHT mit dem Equipment vor Ort zu tun) und ich so gezwungen bin, den größten Teil auf Rücken und Hintern zu schauen.

Ich würde trotzdem versuchen wieder nach Weinheim gehen, denn eine solche Clubatmosphäre findet man nicht oft. Ich wüsste allerdings nicht, ob ich die Treppe noch schaffen würde, denn es sind weitere Jahre ins Land gezogen und besser wird’s leider nicht. Wer mehr über das Café Central erfahren möchte kann das hier nachsehen.

Bis zum nächsten Mal und danke fürs lesen!  Besucht mich doch auf meiner FACEBOOK-Seite zum austauschen und fachsimpeln!

Da war ich nah an der Bühne. Dies stellt die Sicht vom Rollstuhl aus dar!

Photos: Tobias Stahl